Berlin. Mehrere Hundert Menschen haben in Mainz gegen eine Kundgebung der rechten Alternative für Deutschland (AfD) protestiert. Sie unterbrachen am Samstagabend die Reden der Rechtspopulisten mit Sprechchören und Trillerpfeifen. Die AfD versuchte ihrerseits, die Demonstranten mit Musikbeschallung zu übertönen. Unter dem Motto »Gegen das Asylchaos« wollte die Partei nach der Kundgebung durch die Innenstadt ziehen. Die Anhänger der AfD waren deutlich in der Unterzahl.
Am Rande der Demonstration kam es zu Gerangel zwischen Kritikern und Anhängern der AfD sowie zwischen Polizei und Autonomen. Zu Gegenveranstaltungen hatte ein Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und anderen Organisationen aufgerufen. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) wertete im Vorfeld die Gegendemo als friedliches Signal gegen rechtspopulistische und fremdenfeindliche Parolen.
In Schwerin in Mecklenburg-Vorpommern folgten am Samstag rund 400 Menschen einem Aufruf der AfD zu einem Aufmarsch gegen Flüchtlinge und Asylrecht. Redner forderten eine Abschottung der europäischen und deutschen Grenzen und den Rücktritt von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Bei einer AfD-Demonstration in Rostock waren am 17. Oktober rund 1.800 Menschen auf die Straße gegangen. Gegen den AfD-Aufmarsch protestierte einige Dutzend Linke.
Die rechte Partei wählt am Sonntag für Mecklenburg-Vorpommern ihren Landesvorstand neu. Nach Parteiangaben tritt die bisherige Doppelspitze aus dem Richter Matthias Manthei und dem Journalisten Leif-Erik Holm erneut an. Zu dem Parteitag in Güstrow wird auch der stellvertretende Bundessprecher Alexander Gauland erwartet. Laut einer Umfrage hat die AfD mit ihrer Frontmache gegen Asyl und Flüchtende auch im Nordosten viele neue Anhänger gewonnen. Nach den Wahlerfolgen in Brandenburg, Thüringen und Sachsen strebt die Partei 2016 auch in den Landtag Mecklenburg-Vorpommerns. Die AfD zählt nach Angaben der Landesgeschäftsstelle im Nordosten rund 400 Mitglieder.
Die Anhängerschaft der Rechtspartei hat sich nach einer Forsa-Umfrage innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahre klar verändert. Gegenüber einer vorangegangenen Befragung im Mai 2014 sei sie jetzt stärker von Ostdeutschen, Männern und sich politisch rechts verortenden Sympathisanten geprägt, berichtete die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« als Auftraggeberin des Forsa-Instituts.
Im Mai 2014 stammten demnach von denen, die im theoretischen Fall einer unmittelbar anstehenden Bundestagswahl AfD wählen würden, 18 Prozent aus Ostdeutschland - jetzt sind es 28. Der Anteil der Männer stieg von 69 auf 72 Prozent, der Anteil der Über-45-Jährigen von 63 auf 71 Prozent. Vor eineinhalb Jahren verorteten sich 28 Prozent der AfD-Anhänger politisch als rechts, jetzt sind es 38 Prozent. Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner ergänzte: »Bei fast allen Merkmalen, die für eine rechtsradikale Partei typisch sind - Männer, Osten, ökonomischer Pessimismus, Vorbehalte gegen das Parteiensystem -, ist der Anteil bei den AfD-Anhängern 2015 im Vergleich zu 2014 größer geworden.« Agenturen/nd
Quelle: https://www.nd-aktuell.de/artikel/992095.mainz-hunderte-protestieren-gegen-afd-aufmarsch.html