Biopiraterie und koloniales Erbe
Das Misstrauen in vielen tropischen Ländern gegenüber europäischen Forschern hat seine Wurzeln tief in der Geschichte der Kolonialreiche. Oftmals waren Entdeckungsreisende und Geografen die Vorboten der Eroberer. Das gilt ähnlich für das Geschäft mit Nutzpflanzen.
Kaffee, heute eines der wichtigsten Exportprodukte von Entwicklungsländern, war ursprünglich nur in einer Hochebene im Südwesten Äthiopiens heimisch. Zum Massenprodukt für den Welthandel wurde er erst, als die Niederlande im 17. Jahrhundert begannen, die Kaffeepflanze in ihren indonesischen Kolonien und später auch im südamerikanischen Surinam anzubauen. Die übrigen Kolonialmächte folgten, so dass das Ursprungsland heute nur noch einen bescheidenen Anteil am Kaffeeweltmarkt hat.
Den umgekehrten Weg nahm eine andere tropische Pflanze: Kakao. Der von den spanischen Eroberern bei den Maya und Azteken in Mittelamerika vorgefundene Grundstoff der Schokolade stammt ursprünglich wahrscheinlich aus den Regenwäldern am Amazonas. Angebaut wird Kakao heute praktisch in fast allen Ländern mit feuchtwarmem Klima. 80 Prozent der Weltproduktion stammen derzeit aus Westafrika. Wie beim Kaffee profitieren allerdings hauptsächlich die Weiterverarbeiter in Europa und den USA.
Erst im 19. Jahrhundert fand der Mate-Tee den Weg aus der Kultur indigener Völker in Südamerika auf den Tisch der europäischstämmigen Bevölkerung dort. Die ursprünglichen Entdecker der koffeinhaltigen Pflanze, die Guarani, haben heute kaum noch genug Land, um Mate selbst anzubauen. StS
Fotos: fotolia/george3973, rdnzl, Africa Studio
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