Rauchzeichen über Schönefeld
Fehlende Unterlagen für die Entrauchungsanlage nähren Zweifel am BER-Eröffnungstermin
Die Entrauchungsanlage des Terminal-Gebäudes ist seit jeher die Achillesferse des künftigen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld. Nicht zuletzt, weil sie nicht genehmigungsfähig war, hatten die Verantwortlichen die geplante Flughafeneröffnung 2012 abblasen müssen. Nun hat ein Schreiben des zuständigen Bauordnungsamtes des Landkreises Dahme-Spreewald an die Flughafengesellschaft FBB erneut den Brandschutz am Terminal in den Fokus gerückt. Nachforderungen der Behörde im laufenden Genehmigungsverfahren für den notwendigen Umbau der Entrauchungsanlage »gefährden die geplante Inbetriebnahme des künftigen Berliner Flughafens«, hatte daraufhin »Der Tagesspiegel« am Mittwoch geschlussfolgert.
Flughafensprecher Daniel Abbou bestätigte dem »neuen deutschland« den Eingang eines entsprechenden Schreibens aus dem Bauordnungsamt. Technikchef Jörg Marks habe die Projekbeteiligten darüber informiert, dass der Flughafen aufgefordert worden sei, »zusätzliche Nachweise, Planungen und Bauvorlagen zu liefern, um die Genehmigungs- und vor allem baurechtliche Abnahmefähigkeit nachzuweisen«. Abbou betonte, dass man nun zunächst die »zeitlichen Implikationen« dieser Nachforderungen auf den Gesamtzeitplan bewerten müsse. Doch verwies er zugleich darauf, dass Landrat Stephan Loge (SPD) selbst auf die Möglichkeit verwiesen habe, die aufgetauchten Fragen »baubegleitend zu lösen«, um so etwaige »zeitliche Verzögerungen zu minimieren«.
Loge hatte in der rbb-Abendschau am Dienstag die Nachforderungen gegenüber der Flughafengesellschaft bestätigt. Dennoch sei eine Eröffnung des Hauptstadtflughafens zum geplanten Termin Ende 2017 trotzdem noch möglich, hatte er erklärt.
Die offenbar erneut notwendigen Nachbesserungen haben dennoch für großes mediales Aufsehen und entsprechende Nervosität bei den Projektverantwortlichen gesorgt. Hatte die Flughafengesellschaft doch erst am 15. Februar verkündet, dass sie »die letzten Dokumente zum 5. Nachtrag an das Bauordnungsamt (BOA) des Landkreises Dahme-Spreewald übergeben« habe. Damit habe man einen Meilenstein erreicht, hieß es. Mit der Vervollständigung des 5. Nachtrags lägen der Behörde jetzt alle genehmigungsrelevanten Planungen für den Umbau der Entrauchungsanlagen des BER-Terminals vor. Nun stehe nur die Zulieferung der noch offenen Planprüfung für den 6. Nachtrag als letzte Ergänzung aus. »Diese umfasst alle restlichen sicherheitstechnischen Themen, wie zum Beispiel baurechtliche Ergänzungen zu der Sicherheitsstromversorgung und der Brandmeldeanlage am BER«, hieß es in der FBB-Mitteilung.
Ungeachtet der neuerlichen Probleme auf der Dauerbaustelle in Schönefeld hält Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) den Terminplan für den neuen Hauptstadtflughafen nicht für gefährdet. »Ich denke, dass die Zeitplanung Ende 2017 nach wie vor machbar ist«, sagte Schneider am Mittwoch in Potsdam. Auf die vom Bauordnungsamt verlangten Nachbesserungen an den vom Flughafen Mitte Februar eingereichten umfangreichen Bauunterlagen reagierte die Ministerin gelassen. »Das ist bei 52 Aktenordnern nicht so ungewöhnlich«, sagte Schneider. Sie gehe davon aus, dass sich die Beteiligten verständigen können. Alarmiert zeigte sich dagegen die oppositionelle CDU-Fraktion im Brandenburger Landtag. Sie fordert eine Sondersitzung des Flughafen-Ausschusses.
Am Freitag wird der BER-Aufsichtsrat unter Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Anlass sind die Auseinandersetzungen mit dem Bund um den künftigen Regierungsflughafen und die vorläufige Weiternutzung des alten DDR-Terminals in Schönefeld als Abfertigungshalle durch den BER. Ob und mit welcher Dringlichkeit die jüngsten Probleme um das Genehmigungsverfahren für die Brandschutzanlage am BER in die Tagesordnung aufgenommen werden, war zunächst offen. Seite 11
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