Wolgaster Bürgerinitiative gibt nicht auf
Schweriner Landespolitik muss sich auch nach der Wahl mit dem Aus für die Kinderstation am Peenestrom befassen
Der Druck auf die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns zur Wiedereröffnung einer kinderärztlichen Station in Wolgast wächst. Eine Bürgerinitiative zum Erhalt der Krankenhaus-Stationen, die knapp 20 000 Unterschriften sammelte, bittet in einem Brief an die Fraktionen von SPD, CDU, AfD und LINKE sowie an Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) um ein Gespräch. Ziel: Die Gewährleistung einer kinderstationären Behandlung in Wolgast.
Dass der Brief auch an die AfD gegangen sei, sei wohlüberlegt, sagte die Sprecherin der Initiative, Anke Kieser. Mit dem Rechtsprofessor Ralph Weber habe am 4. September ein AfD-Kandidat das Direktmandat in der Region Wolgast/Usedom gewonnen. Nun sei er politisch in der Pflicht. Große Erwartungen setzt die Bürgerinitiative in die CDU. Hätte sie sich im Vorfeld der Wahl deutlicher positioniert, wären nicht so viele Stimmen an die AfD gewandert, sagte Kieser.
Auch die Kameraden des THW-Ortsverbandes Wolgast wollen ein Signal aus Schwerin. 17 Kameraden hatten im Juni aus Protest gegen die Schließung der Station das Ehrenamt Technischen Hilfswerk aufgegeben. Bislang habe es keine Anzeichen gegeben, dass die Landesregierung gewillt sei, die Fehlentscheidung zu korrigieren, sagte der THW-Ortsbeauftragte Frank Hasche. Auslöser für die Austritte war die letztendlich gescheiterte Volksinitiative, die mit der Mehrheit der SPD/CDU-Fraktionen im Landtag abgelehnt wurde. Mit nunmehr acht Kameraden sei die Ortsgruppe seitdem nur eingeschränkt handlungsfähig, sagte Hasche. Er habe den Eindruck, dass der Osten des Landes die Landesregierung in Schwerin wenig interessiere.
Vor einer Woche hatte der Landkreis Vorpommern-Greifswald zusammen mit dem Rettungsdienst eine Kinderarzt-Hotline eingerichtet. Vor allem unerfahrene Eltern können sich nach 18 Uhr über diese Nummer der Leitstelle Rat holen, wie sie bei Akuterkrankungen ihrer Kinder reagieren sollen. Diese Nummer sei hilfreich, könne aber nicht die geschlossenen Abteilungen im Krankenhaus ersetzen, sagte der Sozialdezernent des Kreises, Dirk Scheer.
Wie die Staatskanzlei noch am Montag mitteilte, sollen Vertreter der Bürgerinitiative für Anfang Oktober zu einem Gespräch in das Sozialministerium eingeladen werden. Regierungssprecher Andreas Timm verwies zudem darauf, dass es sich bei der Schließung der beiden Stationen nicht um alleinige Entscheidungen der Regierung handele, sie also auch nicht von dieser allein revidiert werden könne. Bislang lägen auch keine objektiven Erkenntnisse vor, die dies erforderlich machten, dämpfte Timm Erwartungen der Schließungsgegner.
Ende 2015 waren die Stationen für Kinder und die für Gynäkologie/Geburtshilfe geschlossen worden, nachdem das Krankenhaus - Tochter der Universitätsmedizin Greifswald - ein Defizit eingefahren hatte. Im Gegenzug baut das Krankenhaus den Bereich der Altenmedizin aus. Als Grund für die Schließung nannte das Klinikum den demografischen Wandel. Nach Angaben der Klinikleitung ist 2017 ein Krankenhausanbau für die neue Notaufnahme mit einer zentralen Aufnahmestation und weiteren Abteilungen geplant.
Im Gegenzug zur Schließung in Wolgast wurde in Anklam eine Kinderstation eröffnet. Die Bürgerinitiative kritisiert, dass Anklam weiter von den Urlaubszentren der Insel Usedom entfernt liege. dpa/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.