Feierabend war gestern

Andreas Fritsche 
über die Folgen der modernen
 Arbeitswelt

  • Lesedauer: 2 Min.

Stets pünktlich zur Arbeit erscheinen, das sieht der Boss als eine Selbstverständlichkeit an. Aber pünktlich Feierabend machen, das wäre eine Frechheit. Unbezahlte Überstunden sind in vielen Firmen an der Tagesordnung. Außerdem gibt es durch die Computertechnik die Möglichkeit, bestimmte Aufgaben auch noch spätabends und am Wochenende zu Hause zu erledigen. Falls sich dann mal ein kleiner Fehler einschleicht, sind ehrverletzende Bemerkungen des Chefs im schlechten Lohn mit inbegriffen.

Zugegeben: Das ist jetzt ein wenig zugespitzt. Es gibt auch Unternehmen, die ihre Mitarbeiter anständig behandeln und bezahlen, und es gibt Chefs, die sich nicht nur korrekt verhalten, sondern sich sogar um ihre Leute und deren Sorgen kümmern.

Aber viele Arbeiter und Angestellte leiden unter einer Rücksichtslosigkeit, die spätestens mit der Agenda 2010 leider wieder normal geworden ist in Deutschland. Freilich ließe sich die These aufstellen, dass Arbeiter und Angestellte heute verweichlicht seien und deshalb den Belastungen der modernen Arbeitswelt physisch und psychisch häufiger als früher nicht mehr standhalten. Das ist allerdings nicht glaubhaft. Menschen können notfalls eine Menge aushalten - und die Brandenburger haben schon eine Menge ausgehalten in den Jahren der Massenarbeitslosigkeit nach der Wende. Der Konkurrenzdruck war riesig. Aber wer Arbeit hatte, konnte damals wenigstens noch davon leben. Das gilt heute nicht mehr.

Zwar gibt es Gewerkschaften und Betriebsräte, doch die haben in kleinen Firmen oft nichts zu melden, weil die Beschäftigten dort nicht organisiert sind. Freilich gibt es Arbeitsschutzgesetze. Aber die müssen erst einmal durchgesetzt werden. Nicht von ungefähr heißt es, wo kein Kläger sei, da sei kein Richter. 4025 Betriebsstätten und 1919 Baustellen kontrollierte das Landesamt für Arbeitsschutz 2015 in Brandenburg. Aber 64 843 Betriebsstätten gibt es im Land.

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