Das kurze Leben von NSU-Zeugen

Stuttgart: Erneut verstarb eine Frau, bevor sie befragt werden konnte

  • Lesedauer: 2 Min.

Corinna B. aus Ludwigsburg sollte in dieser Woche vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtages aussagen. Sie gehörte in den 1990er Jahren zur rechtsextremen Szene in Ludwigsburg. Zumindest eine gewisse Zeit war sie mit Hans-Joachim S. befreundet; beider Namen fanden sich auf einer Adressenliste von Uwe Mundlos. Er, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe besuchten ab Mitte der 90er bis Anfang der 2000er Jahre regelmäßig ihre Kameraden in Ludwigsburg. Warum waren Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen so eng vernetzt? Der Stuttgarter Ausschuss soll darauf Antworten zutage fördern. Man erhofft sich vor allem Hinweise auf den Überfall in Heilbronn, wo im April 2007 die 22-jährige Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen und deren Kollege schwer verletzt wurde.

Zwei Polizisten aus Kiesewetters Einheit, darunter der Einsatzleiter vom Tag ihres Todes, waren Angehörige eines Ku-Klux-Klan- Ablegers. Der war von einem Rechtsextremisten in der Region gegründet worden, der seit den 90er Jahren Kontakt zur Chemnitzer Hardcore-Neonazi-Szene hatte und sich als V-Mann des Verfassungsschutzes entpuppte. So wie der Hallenser Klan-Mann Thomas Richter, Tarnname »Corelli«.

Am 30. Januar hatte der Ausschuss intern beschlossen, Corinna B. zu befragen. Drei Tage später starb sie. Eine Obduktion ist nicht möglich. Die Tote wurde bereits eingeäschert. Vor Corinna B. hatte der Stuttgarter NSU-Ausschuss bereits den Tod von vier anderen Zeugen zu beklagen.

Am 25. Januar 2009 verbrannte in der Nähe von Heilbronn der 18-jährige Arthur Christ neben seinem Auto.

Am 16. September 2013 ist der 21-jährige Florian Heilig, der an diesem Tag vor dem Landeskriminalamt vernommen werden sollte, in seinem Auto verbrannt. Selbstmord, so hieß es.

Am 28. März 2015 starb Melisa Marijanovic, die Ex-Freundin von Florian H. Sie hatte vier Wochen zuvor, im NSU-Ausschuss in nicht-öffentlicher Sitzung ausgesagt. Ursache: Lungenembolie. Was sie ausgelöst hat, ist nicht klar.

Am 8. Februar 2016, kam auch der neue Freund von Melisa, Sascha Winter, ums Leben. Er soll sich erhängt haben.

Noch immer ist das Ableben des V-Mannes »Corelli« nicht zweifelsfrei geklärt. Er starb zwischen dem 4. und 7. April 2014. hei

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -