Antira
Lexikon der Bewegungssprache
Gegen Rassismus sind doch irgendwie alle. Ist Antirassismus dann überhaupt ein spezifisch linkes Thema? Oder besteht der Unterschied lediglich darin, dass es unter Linken liebevoll »Antira« abgekürzt wird, wie Antifa oder Antimil? Die meisten Leute verstehen unter Rassismus nur die individuelle Diskriminierung von Ausländern: Ein Nazi pöbelt gegen Asylbewerber, am Dorfstammtisch wird über die angeblich kriminellen Polen hergezogen. Linkes, antirassistisches Engagement richtet sich aber auch gegen staatlichen Rassismus, den die Mehrheitsgesellschaft für nicht-existent hält, oder, um genau zu sein, nicht als solchen erkennt. Dazu zählen Abschiebungen, die Unterbringung von Flüchtlingen in Massenunterkünften, die so genannte Residenzpflicht, das Einsperren in Abschiebeknästen, und, und, und. Alles nur, weil die Leute keinen deutschen Pass besitzen. Damit stellt sich die Frage, ob nicht Nationalismus der bessere Begriff wäre, um die Diskriminierung zu beschreiben - und man folglich von »Antina« sprechen müsste. Zumal der Begriff Rassismus den Eindruck erwecken kann, dass es menschliche »Rassen« gäbe. Allerdings richtet sich Rassismus nicht nur gegen Ausländer, sondern beispielsweise auch gegen schwarze Deutsche, wenn sie alleine auf Grund ihres Aussehens von der Polizei kontrolliert werden. Offiziell gibt es diese rassistische Polizeikontrollen übrigens gar nicht. Eigentlich ist das deutsche Grundgesetz sehr klar: »Niemand darf wegen (...) seiner Heimat und Herkunft, (...) benachteiligt oder bevorzugt werden.« Mit jeder Abschiebung wird gegen dieses Grundrecht verstoßen. Leider erkennen das nur die wenigsten. fwe
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.