Im Glück
Personalie
Ein wenig kann er auch von Glück sagen, der Fraktionsvorsitzende der CDU im saarländischen Landtag. Denn dass Tobias Hans nun bald Ministerpräsident sein wird, mit gerade 40 Jahren zudem der bundesweit jüngste, das hat er sich vermutlich auch nicht träumen lassen. Schon deshalb nicht, weil 2009, als Ministerpräsident Peter Müller ans Bundesverfassungsgericht wechselte, ein anderer Jungpolitiker mit Annegret Kramp-Karrenbauer um die Nachfolge konkurrierte. Sie wurde Regierungschefin, er, Stephan Toscani, Minister. Hinter den Kulissen galt dennoch Toscani, nicht Hans als der geborene Nachfolger der Regierungschefin. Vor ihrem angekündigten Wechsel nach Berlin hat Kramp-Karrenbauer ihr Erbe noch geregelt, und siehe da: Hans wird ihr Nachfolger, Toscani ersetzt den Landtagspräsidenten, der wegen einer Finanzaffäre unlängst zurücktrat. Und weil weitere Männer auch für Toscani und Hans nachrücken, meldete sich die Chefin der Frauen-Union des Landes schon leicht verschnupft zu Wort. Wenigstens beim nächsten Mal wolle man auch Frauen berücksichtigt sehen, rief sie der neuen Männerriege pikiert, aber betont solidarisch entgegen.
Ein Hans im Glück ist der künftige Regierungschef gleichwohl nicht. Erst zweieinhalb Jahre im Amt des Fraktionschefs, war er als Kandidat für höhere Aufgaben immer im Spiel. Und dass er den Goldklumpen nicht für ein Pferd und dieses nicht für eine Kuh hergeben wird, das ist ganz ausdrücklich die Spekulation der scheidenden Chefin; Hans traut sie offenbar noch am ehesten zu, dass er Wahlen gewinnen kann. Kramp-Karrenbauer selbst hat die Latte mit 40,7 Prozent im März 2017 sehr hoch gelegt. Doch der Neunkircher, der einst sein Studium der Wirtschaftsinformatik abbrach, hat Politik möglicherweise im Blut. Schon sein Vater war Landtagsabgeordneter und bis 2007 auch CDU-Fraktionschef. Nun muss der Hans sein Glück versuchen, ein wenig Zeit bis zur Wahl 2022 bleibt ihm dafür auch. Und ganz entlässt Kramp-Karrenbauer ihn noch nicht aus ihrer Obhut. Parteivorsitzende will sie vorerst bleiben.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.