»Noch kein Grund zur Panik«
Doch das Trinkwasser aus dem Harz droht knapp zu werden
»Man kann zugucken, wie es weniger wird«, sagt Ingo Schomburg und blickt sorgenvoll auf die Sösestausee im Harz. »Der Wasserstand sinkt jeden Tag um ungefähr zehn Zentimeter«, berichtet der Talsperrenwärter. Vor einigen Tagen war der Trinkwasser-Stausee bei Osterode, der mehr als neun Millionen Kubikmeter fassen kann, schon zu fast zwei Dritteln leer.
In den übrigen großen Talsperren im Westharz sieht es nicht viel besser aus. Die sechs Stauseen, die zusammen ein Fassungsvermögen von rund 180 Millionen Kubikmeter haben, sind nur noch zu durchschnittlich 45 Prozent gefüllt. Der Grund: In der Region hat es in den vergangenen Monaten so wenig geregnet wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1857.
»Von Februar bis August sind hier nur 330 Millimeter Niederschlag gefallen«, berichtet der Hydrologe Frank Eggelsmann von den Harzwasserwerken. Und Besserung ist nicht in Sicht. Zugleich ist der Wasserverbrauch in diesem Sommer besonders hoch. Etwa zehn Millionen Kubikmeter pro Monat haben die Harzwasserwerke an ihre Kunden abgegeben, rund 17 Prozent mehr als im Vorjahr.
Bei anhaltender Trockenheit und bei gleichbleibendem Verbrauch, so hat das Unternehmen jetzt errechnet, werden die Trinkwasservorräte im Harz lediglich noch wenige Monate reichen. »Es besteht zwar noch kein Grund zur Panik. Und wir haben auch noch kein Krisenszenario«, sagt der Technische Geschäftsführer Christoph Donner. Es seien aber bereits erste Maßnahmen ergriffen worden, um die Versorgung sicherzustellen.
Das betrifft vor allem die Sösetalsperre. Die Wasserabgabe aus dem Stausee wurde von 550 auf 400 Liter pro Sekunde reduziert. Darüber hatte das niedersächsische Umweltministerium in dieser Woche berichtet. Und weil aus höher gelegenen Regionen so gut wie nichts mehr nachläuft, wird der zum UNESCO-Welterbe »Oberharzer Wasserwirtschaft« gehörende Morgenbrodstaler Graben in den Stausee umgeleitet.
Als einer der zehn größten Versorger Deutschlands beliefern die Harzwasserwerke rund zwei Millionen Menschen in Niedersachsen und Bremen mit Trinkwasser. »Wir rufen unsere Kunden zwar noch nicht zum Wassersparen auf«, sagt Harzwasserwerkesprecherin Marie Kleine. »So weit sind wir noch nicht.« Ernst sei die Lage aber trotzdem. »Wenn wir nichts tun, sind die Talsperren im Februar leer«, sagt Hydrologe Eggelsmann.
Damit es dazu nicht kommt, verhandeln die Harzwasserwerke derzeit mit den zuständigen Landesbehörden über eine Reduzierung der Wassermenge, die aus den Stauseen in die unterhalb gelegenen Flüsse abgegeben wird. Momentan sind dies 330 000 Kubikmeter pro Tag. Nach dem Plan der Harzwasserwerke sollte es nur noch halb so viel sein. Außerdem werde geprüft, ob und wie viel Trinkwasser aus den Teichen der »Oberharzer Wasserwirtschaft« abgezweigt werden kann, sagt Christoph Donner.
Langfristig, so meint der Geschäftsführer der Harzwasserwerke, könnten solche kleineren Maßnahmen die Versorgungssicherheit angesichts des Klimawandels aber kaum gewährleisten. Seine Lösung: Mehr Speichermöglichkeiten für den Harz. Dann könnte mehr Hochwasser aufgefangen werden, wenn es so viel regnet wie im Sommer 2017. Zugleich könne mehr Trinkwasser vorgehalten werden. Die Harzwasserwerke wollen deshalb jetzt eine Studie in Auftrag geben, wie das am besten zu bewerkstelligen ist. dpa/nd
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.