Spannung vor den Wahlen

Kongoles*innen stimmen über neuen Präsidenten ab

  • Luise Will, SODI
  • Lesedauer: 2 Min.

»Ich bete zu Gott, dass diese Wahlen stattfinden werden«, sagt Madame Françoise aus der ostkongolesischen Region Süd-Kivu. Mit geschätzt 28 Millionen wahlberechtigten Kongoles*innen erwartet sie gespannt die Präsidentschaftswahl am 23. Dezember. Ihre Bedenken, ob sie tatsächlich in drei Tagen ihren Zettel in die Wahlurne werfen kann, sind nicht unbegründet: Bereits zweimal hat Joseph Kabila, der seit 17 Jahren das Amt des Präsidenten der DR Kongo bekleidet, die Wahl verschoben.

»Die Bevölkerung wird manchmal im Glauben gelassen, die Wahlen können nicht stattfinden oder wenn, dann nur auf betrügerische Weise«, erklärt Naum Butoto, der Direktor von SODIs Partnerorganisation UGEAFI und Projektleiter für die Trinkwasserversorgung und Ernährungssicherung in Süd-Kivu.

Im Rampenlicht stehen die beiden aussichtsreichsten Kandidaten Emmanuel Ramazani Shadary und Félix Tshisekedi. Während Ersterer als Innenminister die volle Unterstützung von Joseph Kabila genießt und bei der Opposition als ›Marionette‹ des abtretenden Präsidenten abgetan wird, ist Tshisekedi der Chef der größten Oppositionspartei und Sohn des verstorbenen Etienne Tshisekedi, der jahrelang das Gesicht der kongolesischen Opposition war. Als dritter Kandiddat mit Chancen gilt der wenig bekannte Parlamentsabgeordnete Martin Fayulu, der allerdings von den politischen Schwergewichten Jean Pierre Bemba und Moise Katumbi unterstützt wird, die beide von der Wahl ausgeschlossen wurden.

Um die Lebensverhältnisse für die Bevölkerung nachhaltig zu verbessern, den Menschen ein Leben in Sicherheit zu gewährleisten und sie am Rohstoffreichtum teilhaben zu lassen, ist insbesondere für die krisengebeutelte Region um den Kivu-See eine stabile Regierung unverzichtbar. Zur Wahl setzen die Menschen ihre Hoffnungen auf ein neues Staatsoberhaupt. »Ich hoffe, dass der neue Präsident über die Bildung unserer Kinder nachdenkt«, sagt Madame Françoise. »Wir alle wollen, dass die Wahlen in einer ruhigen Atmosphäre stattfinden und der Machtwechsel zwischen dem scheidenden und dem kommenden Präsidenten regelgerecht durchgeführt wird«, betont Butoto und spricht damit wohl für die Mehrheit der Kongoles*innen.

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