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Deutschland hinkt international hinterher bei der Bekämpfung von Kinderarmut

In Deutschland gehen mittlerweile 63 Prozent der Zweijährigen in Kitas oder Kindergärten - in Frankreich gilt das schon lange

  • Lesedauer: 2 Min.

Friedrichshafen. Die Bundesregierung bleibt bei der Bekämpfung der Kinderarmut nach Ansicht des Soziologen Franz Schultheis (65) deutlich hinter den Anstrengungen anderer europäischer Länder zurück. »Deutschland holt erst jetzt nach, was Frankreich, Dänemark und Schweden schon vor rund 40 Jahren erreicht haben«, sagte der Soziologieprofessor der Universität Friedrichshafen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Bundesregierung sei mit dem im Juli in Kraft getretenen »Starke-Familien-Gesetz«, das Alleinerziehenden und Hartz-IV-Familien höhere staatliche Zuschüsse zusichert, zwar auf dem richtigen Weg, die Maßnahmen seien aber nicht ehrgeizig genug.

Der Soziologe hält es für dringend notwendig, dass Kinder aus armen Familien möglichst früh Kindertageseinrichtungen besuchen. Denn sie könnten dort von Gleichaltrigen aus anderen sozialen Schichten lernen. In Frankreich gingen zum Beispiel fast alle dreijährigen Kinder in die Vorschule, sagte Schultheis. Auch ein Großteil der Zweijährigen gehe schon in Kitas oder Kindergärten. In Deutschland sind nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes rund 63 Prozent der Zweijährigen in Betreuung.

In Deutschland sei die Zahl der Kinder, die in Armut leben, vergleichsweise hoch, sagte Schultheis. Zehn Prozent der Kinder lebten in Haushalten, die nicht einmal ein halb so hohes Einkommen haben wie ein Durchschnittshaushalt. »Das ist für ein so reiches und prosperierendes Land wie Deutschland skandalös«, kritisierte er. In Deutschland leben laut Bundesagentur für Arbeit rund 1,95 Millionen unter 18-Jährige von Hartz IV.

Kinder aus armen Familien hätten ein hohes Risiko, auch als Erwachsene selbst einmal Hartz-IV-Leistungen zu beziehen, sagte der Sozialwissenschaftler. »Die Grundeinstellung eines Kindes wird von der Umgebung geprägt, in der es aufwächst.« Ihnen falle es häufig schwer, Ehrgeiz zu entwickeln. »Oft denken die Kinder, sie hätten sowieso keine Chance«, erklärte Schultheis.

In der Schule seien Kinder aus armen Familien grundsätzlich im Nachteil. Sie verfügten im Vergleich zu ihren Mitschülern aus der Mittelschicht oft über einen geringeren Wortschatz und könnten schlechter komplexe Sachverhalte ausdrücken. Bei Klassenarbeiten schnitten sie im Durchschnitt schlechter ab, sagte er. »Mit dem Misserfolg in der Schule beginnt der Teufelskreis.« Viele Kinder resignierten oder reagierten trotzig gegenüber der Schule. epd/nd

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