Bolivien vor schweren Zeiten

Nach Putsch gegen Evo Morales sind soziale Errungenschaften in Gefahr

  • Lesedauer: 2 Min.

Berlin. Der erste indigene Präsident Boliviens, Evo Morales, ist nach anhaltenden Protesten und unter dem Druck von Militär und Polizei am Sonntag (Ortszeit) zurückgetreten. Wenngleich Morales schon in seiner Rücktrittsrede von einem »Putsch« sprach, beharrt die Opposition darauf, dass er nicht vom Militär, sondern von den Protesten zum Abtreten gezwungen wurde.

Am Sonntag hatte die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in einem Abschlussbericht Zweifel an den Wahlergebnissen vom 20. Oktober geäußert und Neuwahlen empfohlen. Die Wahlaufsicht Boliviens hatte damals verkündet, Morales habe mit zehn Prozent Vorsprung und mit mehr als 40 Prozent der Stimmen insgesamt gegen Carlos Mesa gewonnen, es sei folglich keine Stichwahl notwendig. Unmittelbar danach begannen die Proteste. Die Regierungspartei Bewegung zum Sozialismus (MAS) reagierte zunächst mit Repressionen gegen Demonstrationen, was auch in den eigenen Reihen kritisiert wurde. Zahlreiche MAS-Politiker*innen gaben deswegen in den letzten Wochen ihr Amt auf.

Obwohl Morales unmittelbar nach Veröffentlichung des Berichts der OAS am Sonntagvormittag (Ortszeit) Neuwahlen ankündigte, ließen die Proteste nicht nach. Mesa forderte ihn auf, umgehend abzutreten und nicht mehr zu kandidieren.

Doch auch seit Morales’ Rücktritt am Sonntagnachmittag (Ortszeit) will sich die Lage nicht beruhigen. Häuser von Morales und anderen MAS-Politiker*innen wurden laut Medienberichten ebenso attackiert wie das des rechten Oppositionsanhänger Waldo Albarracín. Zudem wurden Busse und Geschäfte in Brand gesteckt. Viele Menschen trauen sich nicht mehr aus dem Haus. Dem Andenstaat stehen nach einem Jahrzehnt politischer Kontinuität unruhige Zeiten bevor. ks

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -