Vogelgrippe grassiert im Norden und Osten

Immer mehr Landkreise ordnen Stallpflicht an

  • Dieter Hanisch, Kiel
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Vogelgrippe trifft Schleswig-Holstein mit voller Wucht. Agrarminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hat nun verfügt, dass bis zum Freitag landesweit eine Stallpflicht für Geflügel umzusetzen ist: Lockdown und Schutzquarantäne also für Gänse, Hühner, Puten, Enten und anderes Nutzgeflügel.

Die Aviäre Influenza, kurz Geflügelpest oder Vogelgrippe, hat an der Nordseeküste bereits zu rund 3000 toten Wildvögeln geführt. Noch immer sind täglich Ranger an den Stränden unterwegs, um gefiederte Kadaver einzusammeln. Mittlerweile häufen sich aber auch Todfunde im Binnenland und an der Ostsee. Wegen der Menge werden nur noch stichprobenartig veterinäre Untersuchungen davon gemacht. Das Friedrich-Löffler-Institut als nationales Referenzlabor hat bislang 115 positive Befunde bestätigt. Betroffen sind mittlerweile sieben Landkreise und die kreisfreie Stadt Neumünster.

Anfangs wurden hauptsächlich Nonnengänse und Wildenten mit den Virussubtypen H5N8 und H5N5 aufgefunden. Inzwischen trifft die tödliche Krankheit auch Möwen und Greifvögel. Mit einer zunächst unbefristeten Aufstallungspflicht für alle rund 16 000 Geflügelhalter in Schleswig-Holstein will man der Geflügelpest so gut es nur irgend geht begegnen. Bislang hat es zwei Fälle gegeben, bei denen kleine Nutzgeflügelbestände befallen wurden: auf der Hallig Oland (Kreis Nordfriesland) sowie in Heidmühlen (Kreis Segeberg). Die dort gehaltenen Nutzvögel sind gekeult worden.

Im betroffenen Gebiet des Kreises Segeberg wurden Sperrbezirke im Radius von drei Kilometern und eine Beobachtungsregion mit einem Radius von zehn Kilometern ausgewiesen. Geflügelhalter innerhalb des Sperrgebiets dürfen bis auf weiteres keine lebenden Tiere und kein Geflügelfleisch verkaufen. Obwohl durch die Stallpflicht keine Freilandhaltung mehr erfolgt, dürfen Eier von Legehennen noch 16 Wochen lang mit der Etikettierung »Freiland« verkauft werden, um einen ökonomischen Verlust zu begrenzen. Viele Geflügelbauern im Land bangen um ihre Erlöse im anstehenden Weihnachtsgeschäft, sie befürchten weitere Sperrbezirke.

Schleswig-Holstein ist als quasi Vogeltransitland aktuell besonders betroffen. Doch nach ersten Meldungen über tote Wildvögel auf der Insel Rügen ist nun ebenfalls eine private Kleintierhaltung in Zingst (Landkreis Vorpommern-Rügen) betroffen. 92 Hühner, Enten und Gänse wurden getötet. Vorpommern-Rügen weitete die Stallpflicht auf den gesamten Landkreis aus. Tierhalter sind aufgefordert, ihre Geflügelbestände zu melden. Auch in Brandenburg gibt es inzwischen einen bestätigten Fall: Bei einem verendeten Kranich im Kreis Ostprignitz-Ruppin sei das Virus nachgewiesen worden, hieß es vom Verbraucherschutzministerium in Potsdam.

Auch die Nachbarländer Niederlande und Dänemark sind betroffen. Erste Warnungen hatte es zudem dieses Jahr schon im Oktober aus Russland und Kasachstan gegeben.

Die Geflügelpestepidemie von November 2016 bis Frühjahr 2017 war hierzulande die schlimmste Tierseuchenwelle dieser Art. Über 900 000 Tiere mussten damals bundesweit gekeult werden.

Wir-schenken-uns-nichts
Unsere Weihnachtsaktion bringt nicht nur Lesefreude, sondern auch Wärme und Festlichkeit ins Haus. Zum dreimonatigen Probeabo gibt es ein Paar linke Socken und eine Flasche prickelnden Sekko Soziale – perfekt für eine entspannte Winterzeit. Ein Geschenk, das informiert, wärmt und das Aussteiger-Programm von EXIT-Deutschland unterstützt. Jetzt ein Wir-schenken-uns-nichts-Geschenk bestellen.

Das »nd« bleibt gefährdet

Mit deiner Hilfe hat sich das »nd« zukunftsfähig aufgestellt. Dafür sagen wir danke. Und trotzdem haben wir schlechte Nachrichten. In Zeiten wie diesen bleibt eine linke Zeitung wie unsere gefährdet. Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung nach oben zeigt, besteht eine niedrige, sechsstellige Lücke zum Jahresende. Dein Beitrag ermöglicht uns zu recherchieren, zu schreiben und zu publizieren. Zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit deiner Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Sei Teil der solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.