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Endlich böse
Die EU hat den Chef des Bikerclubs Nachtwölfe, »Chirurg«, auf ihre Sanktionsliste gesetzt.
Irrsinnig und gesetzwidrig findet Alexander Saldastanow die Hausdurchsuchungen bei seinen Bikerfreunden der Nachtwölfe in Europa. Unter der Sonne der Halbinsel Krim wetterte Saldastanow, besser bekannt als »Chirurg«, gegen die Entscheidung aus Brüssel, ihn und seinen Klub auf die Sanktionsliste zu setzen.
Saldastanow stammt aus einer halb russischen, halb ukrainischen Arztfamilie und folgte zunächst der Familientradition. In Moskau studierte er Medizin und wurde Zahnchirurg mit Spezialisierung auf posttraumatische Deformationen des Gesichts. Den Job in einer Poliklinik schmiss er nach ein paar Jahren, den Spitznamen behielt er. Zu Sowjetzeiten kaufte sich Chirurg sein erstes Motorrad und gründete die Nachtwölfe, einen Bikerclub der etwas anderen Art. Sex, Drugs und Rock’n’Roll gibt es bei Chirurg und seinen Wölfen nicht. Dafür Vaterlandsliebe, Geschichtsbewusstsein und Orthodoxie. Darauf ist er stolz. Er habe die Subkultur der Biker von den Drogen weggebracht und sie in den Dienst höherer Ideale gestellt, behauptet er gerne.
Das findet auch Wladimir Putin gut. Gern zeigte sich der russische Präsident vor Corona und dem Krieg mit den Nachtwölfen, bestieg sogar gemeinsam mit ihnen das Motorrad und drehte ein paar Runden. Die Liaison rief in Europa Panik hervor. Spätestens seit 2015 wird in Deutschland regelmäßig Angst geschürt, wenn sich ein Nachtwolf auf sein Bike setzt und Richtung Westen rollt. Dass ein Berliner Gericht die Biker harmlos genannt hat, kann die German Angst nicht beruhigen. Chirurg spielt damit und freut sich, wenn Europa vor ihm zittert. In Russland selbst zeigt er, wie vor ein paar Tagen, lieber in Videos mythische Orte der Geschichte oder legt Hand an, um die allgegenwärtigen Schlaglöcher in den Straßen zu stopfen. Warum die EU ihn sanktioniert, versteht Chirurg nicht, aber gerne nimmt er den »Hass und den Groll des Feindes« auf sich.
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