Erzieherinnen: Wir sind am Ende
Personal enttäuscht, weil es immer noch nicht mehr Stellen gibt / Kitatage mit Sternmarsch
Die Erzieherinnen der Kindertagesstätten sind weiterhin enttäuscht von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) und der Regierungskoalition. Deshalb will das Personal während der Kitatage zwischen dem 7. und 22. September wiederum eindringlich mehr Stellen fordern. »Sonst steht das Berliner Bildungsprogramm für Kitas auf dem Spiel«, warnte gestern Martina Castello, pädagogische Geschäftsführerin der landeseigenen Kindertagesstätten Süd-West.
Diese Kitas haben sich 2008 mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden (DaKS) sowie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zum Kitabündnis zusammengeschlossen, um die weitere Bildungsqualität der Kindertagesstätten zu sichern. »Seit dem vergangenen Jahr wird uns vom Senat versprochen, dass sich die personelle Situation ändert, denn ein verbessertes Bildungsprogramm braucht mehr Personal. Bisher ist aber leider nichts passiert«, klagte Martin Hoyer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.
Die Mitglieder des Kitabündnisses waren sich einig: »Die Belastungsgrenze ist längst überschritten«, stellte Steffi Wismayer von der Kita Süd-West fest: »Die Erzieherinnen sind am Ende.« Das Personal müsse sich um immer mehr Kinder kümmern.
Dazu haben sich die Betreuungsvoraussetzungen laut Bündnis verändert. Habe früher die Gruppenpädagogik im Vordergrund gestanden, sei heute individuelle Betreuung vorrangig, mehr Personal werde benötigt. Deshalb fordert das Bündnis: Jede vollbeschäftigte Erzieherin benötigt zusätzlich fünf Stunden pro Woche für Vor- und Nachbereitung ihrer Arbeit, Beobachtung der Kinder und damit verbundener Dokumentation, Elterngespräche und Qualifizierung.
Zudem muss die Kitaleitung nach Überzeugung des Bündnisses freigestellt werden. Spätestens ab 100 Plätzen sei eine Vollzeitstelle notwendig und nicht, wie heute, erst ab 162. Alle Kinder sollten wenigstens einen Anspruch auf einen Teilzeitplatz von fünf bis sieben Stunden haben. Nach Angaben von Castello gibt es in Berlin 1800 Kitas, die von etwa 90 000 Kindern besucht werden.
»Die Haushaltsverhandlungen haben begonnen. Noch ist es möglich, die nötigen Mittel in den Doppelhaushalt 2010/11 einzustellen«, mahnte Roland Kern vom DaKS. Dazu erklärte gestern die familienpolitische Sprecherin der LINKEN, Margrit Barth: »Die Linksfraktion will deutliche Qualitätsverbesserungen für die Kitas. Dazu gehört auch Beitragsfreiheit. Im Doppelhaushalt muss der Einstieg in ein Stufenprogramm zur Qualitätsverbesserung abgesichert werden.«
Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, gehen die Bündnismitglieder nun aus Protest nicht nur auf die Straße, sondern informieren auch mit einem Filmabend am 7. September, einem wissenschaftlichen Abend (9. 9.) und einem parlamentarischen Abend (15. 9.).
Den Abschluss bilden ein Sternmarsch und eine Kundgebung mit der Vorsitzenden des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Barbara John, am 22. September.
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