Kulturbarbarei von Potsdam abgewendet

  • Karla Nilson
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam wird nicht die Hälfte ihres Magazinbestandes – rund 160 000 Bücher – schreddern, sondern nach inhaltlicher Bewertung verlagern. Diese Empfehlung gibt eine Expertenkommission der Stadt und dem Land, wie der Kommissionsvorsitzender Prof. Joachim-Felix Leonhard gestern mitteilte.

»Schrott« im Bestand zu schreddern, hatte Ende Juni ein Mitglied im Potsdamer Kulturausschuss gefordert, was erhebliche Aufregung verursacht hatte. Der »sachkundige Bürger« mit SPD-Ticket im Ausschuss kam zu dieser »Lösung«, nachdem externe Unternehmensberater die Halbierung des Bestandes anrieten, um dann freigezogene Flächen zu vermieten. Denn nach zweijähriger Planung waren die Kosten für die Sanierung der Bibliothek urplötzlich von 11 auf 13,5 Millionen Euro gestiegen. »Entsetzt« hatte daraufhin die Potsdamer Bibliotheksgesellschaft vor einem »Akt der Kulturbarbarei« gewarnt.

Prof. Leonhard würdigte nachdrücklich die jahrzehntelange Aufbauleistung der Bibliotheksmitarbeiter sowie die geplante Zusammenführung mit der Volkshochschule zu einem »Wissensspeicher« als »modellhaften Schritt in die richtige Richtung«. Die historischen Entwicklungslinien der Bibliothek sollten in ihrer Geschlossenheit »weitestgehend« erhalten bleiben, insbesondere die Bereiche Pädagogik und DDR-Literatur als »Ausdruck des Kulturkreises, in dem sich die Bibliothek über einen langen Zeitraum entwickelt hat«. Maßstäbe bei der »Zukunftsorientierung« seien der Erhaltenswert und die Zugänglichkeit der Bestände für die Öffentlichkeit.

Um dennoch das angestrebte Ziel – Verringerung der Magazinfläche und -bestände um die Hälfte – zu erreichen, empfehlen die Experten die Auslagerung von Teilbeständen in ein noch zu errichtendes Außenarchiv und an andere Einrichtungen in Brandenburg wie die Hochschulen sowie die Aussonderung von Dubletten. Eine Etage mit etwa 800 Quadratmetern soll dann »bibliotheksnah« vermietet werden. Die Kulturbeigeordnete der Stadt Potsdam, Iris Jana Magdowski, kann sich auch einen Umzug ihrer Mitarbeiter in den dann sanierten Komplex Am Kanal und den Verkauf der jetzt genutzten Villa in der Hegelallee vorstellen. Für die Errichtung eines Außenspeichers sieht sie auch die Landesregierung in der Pflicht. Von dort gebe es schon Signale, an einer gemeinsamen Lösung mitwirken zu wollen, sagte Magdowski.

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