»Mut zur Wahrheit«

»Bild«-Leser sind begeistert

  • Lesedauer: 2 Min.

Wie bringe ich die für die Wirtschaftskrise Verantwortlichen aus der Schusslinie? Ganz einfach: Man lenke den Volkszorn auf Sündenböcke. Seit Tagen verbreitet »Bild« begeistert und teilweise ganzseitig die Stammtischparolen Sarrazins. Nach dem argumentativen Dauerbeschuss durften sich dann am Donnerstag die »empörten« Leser zu Wort melden. So klagt dort eine deutsche Mutter ihr Leid: »Ich als Deutsche muss für alles kämpfen, und ein Ausländer ohne deutschen Pass« bekomme alles, was er wolle: Kindergeld, Wohngeld und Krankenversicherung. Schweinerei. Das Herrenvolk als Bittsteller im eigenen Land?

Nur gut, dass sich Sarrazin zum Sprachrohr dieser schweigenden Mehrheit macht. Der SPD-Genosse sei »einer, der ausspricht, was eigentlich jeder denkt«, schreibt eine weitere Leserin. Trauriger Höhepunkt dieses Seelenstriptease der »Bild«-Leser ist der Brief eines gewissen Mohammed Sultany aus München. Endlich finde »Bild« zum »Mut zur Wahrheit« zurück, so Sultany, ohne Furcht vor der »Nazikeule« und der »Abschiebung in die braune Ecke«. Dass man im Münchener Telefonbuch vergeblich nach einem Herrn Mohammed Sultany sucht, muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass sich hier ein rechtsradikaler Bayer unter arabischem Pseudonym den Frust von der Seele schrieb. Der Fairness halber sei angemerkt, dass »Bild« auch ein paar Türken zu Wort kommen lässt: Einen Obsthändler, eine Kopftuchträgerin und einen Professor mit »neun Geschwistern«. Fabian Lambeck

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