Ringbahn-Stationen in Klebeband

Ausstellung im TU-Hochhaus zeigt Collagen von Björn Paulissen

  • Antje Stiebitz
  • Lesedauer: 3 Min.
Collage Tempelhof
Collage Tempelhof

»Im Gegensatz zum Rest meines Freundeskreises reagierte Björn nicht entnervt auf meine Beschreibungen des Ringbahn-Projektes«, erinnert sich Gernot Schaulinski vom Center for Metropolitan Studies (CMS) in seiner Würdigung. »Er machte sogar den Vorschlag, auf künstlerischer Ebene aktiv zu werden.«

Das Ergebnis, »27 Stationen – Collagen von Björn Paulissen«, wurde Mittwochabend im 3. Stock des TU-Hochhauses vorgestellt und kann noch bis zum 28. Oktober betrachtet werden.

Thema der Arbeiten sind die 27 Stationen der Ringbahn S 41/42, die in einer Endlosschleife um Berlin fährt. Auf circa 38 Kilometern umfährt sie das Innenstadtgebiet und lenkt den Blick auf die Peripherie Berlins.

Gemeinsam mit acht Autoren aus dem TU-Master-Studiengang Historische Urbanistik des CMS »erfuhr« Paulissen die Ringbahn. Die Studenten erstellten eine Website (www.ringbahn.com), die zu jeder Station informative Essays, Bilder zur Historie, Quartiersspaziergänge und Besuchertipps bietet. Und Paulissen fertigte zu jeder der Stationen eine Collage – die der Website als wesentliches visuelles Element dienen. Auf diese Weise treffen Historische Urbanistik und Kunst zusammen.

Die Bilder veranschaulichen Raum und Tiefe, sie schichten mehrere Ebenen, spiegeln und geben der eigenen Interpretation Raum. Sie sind gleichsam abstrakt, figürlich, farbig, schwarz-weiß, manchmal glänzend. »Ich habe immer verschiedene Aspekte übereinandergelegt, zum Beispiel Gebäude von innen und von außen betrachtet wie bei der Collage der Prenzlauer Allee«, erklärt Paulissen. Oft seien gestalterische Elemente ausschlaggebend gewesen. So sei die Flagge auf der Collage zum Tempelhofer Flughafen beispielsweise keiner Nation zuzuordnen, sondern weise auf Internationalität hin.

Bestimmendes Material der Collagen sind farbige Klebebänder, die Paulissen variantenreich nutzt. Es habe ihn gereizt, mit Klebeband zu arbeiten, da das Band eine klare grafische Form habe. Er habe eine Ausdrucksform gesucht, die relativ exakt sei, aber nicht malerisch. »Zusätzlich habe ich vor Ort vorgefundene Dinge eingebaut zum Beispiel Teile von Plakaten und Broschüren«, erklärt Paulissen.

»Die Herstellung der Collagen war eine Herausforderung für mich. Ich bin erst seit 2006 in Berlin und kannte die Regionen gar nicht. Das Projekt war eine Entdeckungsreise für mich,« sagt der Künstler. Ein halbes Jahr war er damit beschäftigt, die Gegenden der Ringbahn-Stationen zu erkunden und seine Eindrücke künstlerisch zu verarbeiten.

Die 27 Collagen – aufgereiht an den Wänden des Korridors im CMS – sind sichtlich seriell gefertigt; trotzdem besitzt jedes Bild für sich Individualität, lässt neue Bausteine und Einfälle erkennen. Dies sei eine Schwierigkeit seiner Aufgabe gewesen: »Die Gesamtheit im Auge zu behalten und gleichzeitig im Einzelnen ganz unterschiedlich heranzugehen«, erinnert sich der 32-Jährige.

TU, Telefunkenhochhaus, 3.Stock, Ernst-Reuter-Platz 7, Mo. bis Fr. 10 bis 16 Uhr, weitere Informationen unter www.ringbahn.com

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