Schwarz-Gelb wünscht sich Neustart

Sechs-Augen-Gespräch bei Kanzlerin geplant

  • Lesedauer: 2 Min.
Nach langem Schweigen will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den schwarz-gelben Steuerstreit in einem Sechs-Augen-Gespräch beenden.

Berlin/Kreuth (AFP/ND). Das Treffen der Koalitionsspitzen soll noch im Januar stattfinden, wie CSU-Chef Horst Seehofer am Donnerstag sagte. Er bezeichnete das Treffen mit Merkel und FDP-Chef Guido Westerwelle als »Routine«. »Das hat nichts mit Krise zu tun«, sagte er am Rande der CSU-Klausur in Wildbad Kreuth.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), der am Donnerstag zu Gast in Kreuth war, kritisierte den koalitionsinternen Schlagabtausch. Zugleich forderte er einen »Neustart« der Regierungskoalition. Auch Seehofer sagte, ein Neustart »wäre wünschenswert«. Seit dem Abschluss der Koalitionsverhandlungen habe es einen vielstimmigen Chor in der Koalition gegeben. »Das könnte unterbleiben, aber das gilt für meine Partei auch.«

Im Streit um die für 2011 geplanten Steuersenkungen bekräftigte Seehofer seine Forderung, im Sommer ein Gesamtpaket aus vier großen Anliegen zu schnüren: Neben den Steuersenkungen gehöre dazu eine Vereinbarung über die Finanzierung des Bildungspakts, die Kommunalfinanzen und die vom Bund geplante Haushaltskonsolidierung in Höhe von zehn Milliarden Euro. Erneut nannte er die FDP-Forderungen unrealistisch. Er glaube nicht, dass angesichts der Größe dieser Aufgaben noch Steuersenkungen von weiteren 20 Milliarden möglich seien.

FDP-Generalsekretär Christian Lindner attackierte erneut die CSU. Dies »fordert anscheinend immer nur dann Steuererleichterungen, wenn in Bayern Wahlen bevorstehen«, erklärte Lindner.

Laut »Leipziger Volkszeitung« planen CDU und CSU Steuersenkungen lediglich im einstelligen Milliardenbereich. Die Unionsspitzen seien sich darüber einig, dass sich »keinesfalls ein zweistelliger Milliardenbetrag« mobilisieren lasse. Westerwelle müsse seine Partei »jetzt von den Bäumen runter holen«, zitierte die Zeitung aus hochrangigen CSU-Kreisen.

Die Wirtschaft forderte dagegen die Einhaltung der Steuersenkungsversprechen. Union und FDP sollten »in den kommenden Monaten die Eckpunkte und Schrittfolgen einer echten Steuerreform ab 2011 erarbeiten«, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Martin Wansleben.

DIW: Kein Spielraum für weitere Steuersenkungen

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht angesichts des Rückgangs der Staatseinnahmen keinen Spielraum für weitere Steuersenkungen. Das DIW verwies darauf, dass die Einnahmen des Staates aus Steuern, Sozialbeiträgen und sonstigen Abgaben bis 2011 ohnehin auf 42,5 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken würden. Die Vorhaben zu Abgabensenkung, Steuerreform, Gesundheitsreform und Einhaltung der Schuldenbremse ab 2016 kritisierte das Institut als widersprüchlich und kaum realisierbar.

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.

- Anzeige -
- Anzeige -