Vorbild

Aygül Özkan / Die Juristin wird neue Sozialministerin in Niedersachsen

  • Jürgen Amendt
  • Lesedauer: 2 Min.

Etwas überspitzt formuliert, erntet die CDU derzeit die Früchte der Arbeit der sozialen Bewegungen der letzten 30 Jahre. Was die Parteien links von der Union bis heute nicht geschafft haben, hat der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) vollbracht: Mit der Ernennung von Aygül Özkan zur Sozialministerin übernimmt zum ersten Mal eine türkischstämmige Politikerin in Deutschland Regierungsverantwortung. Wulff ist damit nicht nur ein medienwirksamer Coup gelungen. Die Attribute, mit denen die 38-jährige Juristin aus Hamburg belegt wird – jung, konservativ, muslimisch – passen zur Absicht der Union, mehr Wähler in der türkischen Community zu gewinnen. Lange Jahre galten die Migranten-Milieus den konservativen Parteien als »No-go-Areas«. Mit mehr als 600 000 Wahlberechtigten stellen die Deutsch-Türken mittlerweile eine auch für die Union nicht unerhebliche Zielgruppe dar. Eine Umfrage unter Muslimen in Deutschland vor der letzten Bundestagswahl ergab allerdings, dass lediglich vier Prozent die CDU wählen würden.

Aygül Özkan hat alles, was das CDU-Herz begehrt: Sie ist in den sozialen Netzwerken im Internet präsent, gilt wegen ihrer langjährigen Tätigkeit in verschiedenen Telekommunikationsunternehmen als wirtschaftlich kompetent und ist im Parteiapparat fest integriert, obwohl sie als Quereinsteigerin erst mit 32 Jahren zur Politik kam. 2008 wurde sie Abgeordnete in der Hamburger Bürgerschaft, kurz darauf Mitglied des CDU-Landesvorstandes. Die Mutter eines siebenjährigen Sohnes will sich in ihrem neuen Amt vor allem für die frühkindliche Bildung von Migrantenkindern stark machen.

Damit wird die CDU weiter bei den Migranten punkten können. Bei einem haben sie es schon: Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, bezeichnete es als bemerkenswert, dass gerade die CDU eine türkischstämmige Deutsche zur Ministerin gemacht habe. Dies sollte den anderen Parteien Vorbild sein, meinte Kolat, der selbst der SPD angehört und dessen Frau Dilek für die Sozialdemokraten im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt – in der Berliner Politik ist das für Migranten bislang die höchste erreichbare Karrierestufe.

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.