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Frau am Steuer
Sigrid Nikutta / Die 41-Jährige tritt am 1. Oktober den Vorstandsvorsitz bei der BVG an
Die Jobsuche kann so einfach sein: Sie habe die Stellenanzeige gelesen, eine Mail an den Berliner Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) geschrieben – und gestern verkündete dieser, dass Sigrid Nikutta ab 1. Oktober den Chefposten bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) übernimmt. Damit wird Deutschlands größtes Nahverkehrsunternehmen erstmals von einer Frau geführt. Ein Erfolg auch für die Frauen in der rot-roten Koalition, die vehement auf eine weibliche Besetzung drängten, da Frauen in Führungspositionen der Landesbetriebe deutlich unterrepräsentiert sind.
Erstmals auch war der Posten öffentlich ausgeschrieben worden, es gab 177 Bewerbungen, davon 22 von Frauen. Dass Nikutta das nötige Selbstbewusstsein mitbringt, bewies sie gleich bei ihrer Vorstellung. »Ich bin berufen worden aufgrund von Leistung, Kompetenz und Qualifikation, das Geschlecht war eher zweitrangig«, erklärte die Mutter von drei kleinen Kindern, die bereits bei einem anderen Verkehrsunternehmen eine rasante Karriere hinlegte: Bei der Deutschen Bahn war sie zunächst als Psychologin für die Aus- und Weiterbildung zuständig und brachte es dann bis zum Produktionsvorstand der polnischen Tochter des Bahn-Güterverkehrsunternehmens DB Schenker Rail. »Nebenbei« erwarb die im polnischen Szczytno geborene und in Westfalen aufgewachsene künftige BVG-Chefin ihren Doktortitel.
Psychologische Fähigkeiten können auch im neuen, mit knapp 400 000 Euro dotierten Job nicht schaden. Der ist einer der schwierigsten, die Berlin zu vergeben hat. Zwar hat das Unternehmen seit der Verschmelzung von Ost-BVB und West-BVG sein Personal auf 12 000 Beschäftigte gedrückt und damit mehr als halbiert, die Schulden kletterten jedoch auf derzeit 740 Millionen Euro, Tendenz steigend. Der Senat trägt bisher kaum zum Schuldenabbau bei. Ob es die neue Chefin schafft, ihm zum Beispiel höhere Zuschüsse abzutrotzen, wird sich zeigen. »Ich will kein Unternehmen führen, dass weiter in die Schulden rutscht«, sagte sie, betonte aber auch, »Unternehmen sind dazu da, sich selbst zu tragen.«
Das klingt schon sehr nach baldiger Fahrpreiserhöhung, die in Berlin diskutiert wird.
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