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Die Deiche in Elsterwerda haben gehalten
Landesumweltamt rechnet mit Hochwasser noch bis zum Wochenende / Umweltministerin für nationalen Schutzplan
Herzberg (dpa). Beim Hochwasser in Brandenburg zeichnete sich auch am Donnerstag keine Entspannung ab. Der aus Sachsen kommende Hochwasserscheitel mehrerer Flüsse erreichte den Landessüden und bewegte sich flussabwärts. »Wir sind gut über die Nacht gekommen und die Deiche in Elsterwerda haben gehalten«, sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude. Allerdings bereitet der mehrtägige Druck auf die Dämme den Fachleuten immer mehr Sorgen. Unterdessen entspannte sich die Lage in Sachsen.
Die hohen Wasserstände könnten noch bis zum Wochenende dauern, äußerte Wolfgang Genehr vom Landesumweltamt in Cottbus. Deutschland braucht nach Ansicht von Umweltministerin Anita Tack (LINKE) dringend einen nationalen Plan zum Hochwasserschutz. »Es ist höchste Eisenbahn«, sagte sie. Auf der nächsten Umweltministerkonferenz Mitte November werde sie dies nochmals thematisieren. »Wir müssen die Prävention verbessern und mehr abstimmen«, betonte Tack.
Für Elsterwerda und Bad Liebenwerda wurden unterdessen stagnierende Wasserstände der Schwarzen Elster von rund 3,50 Meter gemeldet. Das ist doppelt so hoch wie sonst. Derweil stieg der Pegelstand in dem flussabwärts gelegenen Herzberg weiter leicht an und lag Donnerstagmittag bei 3,65 Meter. »Die Dämme der Schwarzen Elster sind viele Jahrzehnte alt«, sagte ein Sprecher des Katastrophenstabes in Herzberg. Der Wasserdruck habe mehrere Sickerstellen verursacht, die nur mit großem Einsatz repariert werden konnten.
In Guben erreichte die Neiße ihren Scheitelpunkt, dort gilt jetzt die Alarmstufe drei. Der Fluss stieg am Donnerstagnachmittag auf 6,17 Meter, das waren nur zwölf Zentimeter weniger als bei der Flut im August. »Wir hoffen, dass die Deiche wie damals halten«, meinte der stellvertretende Bürgermeister Fred Mahro. Einige Straßen und Keller in Ufernähe wurden überflutet.
Von der am Mittwoch eingeleiteten freiwilligen Evakuierung in der Innenstadt von Elsterwerda waren nach Angaben des Katastrophenstabes etwa 2700 Personen betroffen. »Wir wissen aber nicht, wie viele Bewohner ihre Wohnungen verließen und wann sie wieder zurückkehren können«, hieß es. »Wegen der angespannten Lage können wir noch keine Entwarnung geben.« Mehr als 100 Patienten eines Krankenhauses wurden in andere Kliniken gebracht. Vorsorglich für etwa 500 Bewohner eingerichtete Notunterkünfte seien nicht genutzt worden. Im Landkreis Elbe-Elster blieben 16 Schulen gesperrt. Einige von ihnen sollen heute wieder öffnen.
In Spree-Neiße sicherten rund 350 Mitarbeiter der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerkes, der Polizei sowie Bewohner die Dämme mit 131 000 Sandsäcken. Im Gewerbegebiet des Dorfes Lausitz bei Bad Liebenwerda wurden eine Sandsackfüllanlage sowie ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet. An der Talsperre Spremberg wird zur Entlastung der Spree wieder wie beim Hochwasser im August kontrolliert Wasser abgelassen. Die Menge wurde schrittweise auf 65 Kubikmeter pro Sekunde gesteigert.
Die Autobahn 13 ist bei Ortrand an der Landesgrenze zu Sachsen in Richtung Dresden wieder befahrbar. Allerdings bleibt die Fahrbahn in Richtung Berlin wegen Überschwemmung zwischen Schönborn und Ortrand gesperrt, dort gibt es eine Umleitung. Die überflutete Bundesstraße 169 zwischen Lauchhammer und Plessa ist wieder frei.
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