Miese Qualität wird für S-Bahn jetzt teurer
(ND-Kammer). Zugausfälle, Verspätungen, verschmutzte Bahnen – für die S-Bahn wird es teurer, wenn sie weiterhin so schlechte Qualität abliefert. Dann dürfen die Länder Berlin und Brandenburg ihre Zahlungen noch mehr kürzen als bisher. Nach monatelangen Nachverhandlungen unterzeichneten beide Landesregierungen und das Unternehmen gestern den entsprechend geänderten Verkehrsvertrag.
Hatte der Senat bisher keinen Einfluss auf die Länge der Züge, so verpflichtet sich die S-Bahn jetzt, im Berufsverkehr mindestens 562 Viertelzüge (bestehend aus je zwei Wagen) einzusetzen, mit Verlängerung der Strecke zum Flughafen BBI im kommenden Jahr dann 575. Sind es weniger, kann der Senat von seinem jährlich geplanten Zuschuss – in diesem Jahr 236 Millionen Euro – für jeden nicht gefahrenen Viertelzugkilometer 1,10 Euro abziehen. Da dürfte einiges zusammen kommen, denn derzeit ist die S-Bahn nur mit 416 Viertelzügen unterwegs, woran sich voraussichtlich bis weit ins nächste Jahr nicht viel ändern dürfte.
Für Qualitätsmängel wie Unpünktlichkeit können die Länder künftig ihre Zuschüsse nicht mehr um lediglich fünf, sondern um 16 Prozent kürzen. Abzüge drohen im kommenden Jahr auch, wenn Bahnen verschmutzt sind. Für Fahrten, die ausfallen, gibt es wie bisher keinen Cent. Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) rechnet damit, dass 2010 etwa 45 Millionen Euro einbehalten werden. Die Kürzungen seien kein Selbstzweck, erklärte sie, sondern Instrument, um die S-Bahn anzuhalten, »das vereinbarte Leistungsniveau nach Umfang und Qualität möglichst schnell zu erreichen«.
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