Werbung

Trickserei bei Flugrouten?

Anwohner wollen klagen / Flughafengesellschaft weist Vorwürfe zurück

  • Burkhard Fraune, dpa
  • Lesedauer: 2 Min.

Der Streit um die Flugrouten vom künftigen Großflughafen Schönefeld zu. Anwohner aus Stahnsdorf, Teltow, Zeuthen und Berlin-Lichtenrade bereiten laut »BILD«Zeitung neue Klagen gegen das Milliardenprojekt vor.

Derweil muss sich die Flughafengesellschaft gegen Vorwürfe der Täuschung und Trickserei zur Wehr setzen. Nach Informationen der Zeitung drängte der damalige Flughafenchef Götz Herberg 1998 die Deutsche Flugsicherung, Geradeausstarts von den beiden geplanten Pisten vorzuschlagen. Herberg sei dabei klar gewesen, dass diese nicht in jedem Fall zulässig sind. Er habe aber Verzögerungen bei dem Großprojekt verhindern wollen.

Tatsächlich hat es damals – bevor mit dem Planfeststellungsantrag die rechtliche Grundlage für den Flughafen gelegt wurde – intensive Diskussionen und Briefwechsel zwischen Flugsicherung und Betreiber über die Routenplanung gegeben. Dass der Betreiber damals die Flugsicherung gedrängt und die Planfeststellungsbehörde getäuscht habe, wies ein Flughafensprecher am Freitag aber zurück. »Das ist völlig abwegig.« Der Bericht bringe keine neuen Sachverhalte. »Der Planfeststellungsbeschluss ist letztinstanzlich geprüft und bindend.« Er war vom Bundesverwaltungsgericht abgesegnet worden.

Für die Grünen ist der Fall bereits klar: »Die Erbauer gingen von einer abknickenden Routenplanung aus und haben dies aber verschwiegen«, meint Volker Ratzmann, Grünen-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus. »Sie wussten auch, dass diese Routenplanung mehr und andere Bürger mit Lärm belasten würde. Das wollten sie zurückhalten.«

Rechtsanwalt Wolfgang Baumann, der Flughafengegner vertritt, sieht nun neue juristische Gefahren für den Airport: »Ich glaube, dass die Richter, die damals beteiligt waren, ziemlich sauer sind, weil sie sich hinters Licht geführt fühlen.« Das lasse sich ein Bundesverwaltungsgericht nicht einfach gefallen. Nach Informationen des Senders rbb sind weitere Klagen in Vorbereitung, darunter gegen die Nachtflugregelung.

- Anzeige -

Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.

Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.

Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.

Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!

Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:


→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.

Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.