Eine bewundernswerte Frau
Die argentinische Sozialistin Fanny Edelman begeht ihren 100.
Am Sonntag begeht Fanny Edelman, eine lebende Legende, ihren 100. Geburtstag. Unglaublich, aber wahr: Sie ist nach wie vor rastlos tätig, mischt sich ein in aktuelle Debatten und Kämpfe. So fordert sie die Freilassung der seit 1998 in den USA im Gefängnis sitzenden »Cuban Five«. Und sie war bereits hochbetagt, als sie ihr weithin beachtetes Buch »Feminismus und Marxismus« geschrieben hat, in dem sie Ergebnisse der Genderforschung analysierte.
Am 27. Februar 1911 in Cordoba (Argentinien) als Tochter eines Freidenker-Ehepaars geboren, das vor zaristischer Willkür aus Russland emigriert war, hat sich Fanny Edelman bereits in jungen Jahren für die Rechte der Armen und Unterdrückten engagiert, für die Emanzipation aller Menschen, unabhängig von der ethnischen Herkunft, von Geschlecht, sexuellen Verhaltensweisen und körperlicher Verfassung gestritten. In der »Roten Hilfe« organisierte sie Nahrung und Kleidung für Streikende und andere Bedürftige. 1936 heiratete sie Bernard Edelman und verteidigte mit ihm die Volksfrontrepublik in Spanien gegen die Putschisten unter General Franco. Sie lernte Dolores Ibárruri kennen und war von ihrem Mut beeindruckt. Die blutige Niederschlagung der demokratisch legitimierten spanischen Republik mit starker militärischer Unterstützung durch die faschistischen und hoch gerüsteten Mächte Hitler-Deutschland und Mussolini-Italien traf sie tief, denn es war für sie die vertane Chance, den Zweiten Weltkrieg zu verhindern.
Als Mitglied der Kommunistischen Partei Argentiniens und später als Präsidentin führte sie mit Gleichgesinnten den Kampf für politisch Entrechtete weiter. Kerker, Illegalität, Repressionen konnten ihren Willen nicht brechen. Sie trat für die Selbstbestimmung aller Menschen ein, die zwar frei und gleich geboren, jedoch unterdrückt und ausgebeutet werden. Dabei erwarb sie sich weltweit hohe Anerkennung. Freundschaften rund um den Globus entstanden, so mit der berühmten Fotografin Tina Modotti, dem chilenischen Dichter Pablo Neruda und dem spanischen Poeten Manuel Machado. Sie kämpfte für die Freilassung des brasilianischen »Ritters der Hoffnung« Carlos Prestes und seiner deutschen Frau Olga Benario.
Ich lernte Fanny in der Internationalen Demokratischen Frauenföderation (IDFF) kennen, deren Sekretariat sie seit 1972 angehörte. Das Büro befand sich in Berlin, der Hauptstadt der DDR. Nach dem Weltkongress der Frauen 1975 in Berlin wurde sie auf dem anschließenden Kongress der IDFF zur Generalsekretärin gewählt. Meine Wahl zum stellvertretenden Ratsmitglied erfolgte dort ebenfalls. Ich schätze an Fanny ihre Bescheidenheit, ihre große Sachkenntnis und die gewisse Strenge, die sie bei Entscheidungen im Interesse der Frauen und Kinder, für Frieden und Menschenwürde wahrte.
Auf ihren Reisen in alle Regionen der Welt lernte Fanny Edelmann viele starke und interessante Frauen kennen, darunter Angela Davis, Vilma Espin und Gustava Fucik, deren von den Nazis ermordeten Mann Julius Fucik sie hoch achtete. Vom Selbstbewusstsein vieler Frauen in den sozialistischen Ländern war sie begeistert. Und sie hat dies nicht vergessen.
Mit hundert Jahren ungebrochen unterstützt sie um ihre Rechte kämpfende Bäuerinnen, Arbeiterinnen und Intellektuelle. Sie weiß, dass der Weg zur Überwindung des Patriarchats und zur weltweiten Durchsetzung der von der UNO als Menschenrechte festgeschriebenen Frauenrechte noch lang und dornenreich ist. Vom Erfolg des Kampfes ist sie fest überzeugt.
Prof. Helga Hörz war Vertreterin der DDR in der UNO-Kommission »Zum Status der Frau« von 1976 bis 1990.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.