»Qualitätsstadt« Quedlinburg

Zwei Orte in Deutschland tragen das »Q« des Tourismusverbandes. Nun kommt ein dritter hinzu

  • Sabrina Gorges, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Weil Betriebe in Sachen Servicequalität an einem Strang ziehen, wird Quedlinburg in Sachsen-Anhalt zur dritten »Qualitätsstadt« in Deutschland. Ausruhen kann man sich darauf nicht, sonst ist die Auszeichnung wieder weg.

Quedlinburg. Die UNESCO-Welterbestadt Quedlinburg wird Sachsen-Anhalts erste »Qualitätsstadt« und erhofft sich davon positive Auswirkungen auf den Tourismus. Rund eineinhalb Jahre haben die Initiatoren und Unternehmen auf das Zertifikat mit dem geschwungenen »Q« hingearbeitet. Am 9. März zeichnet die Initiative Service-Qualität Deutschland die Stadt auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin aus. Keine endgültige Sache, denn wer das Qualitätssiegel trägt, muss es immer wieder verteidigen.

Bisher dürfen sich in Deutschland nur Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg und Beilngries in Bayern »Qualitätsstadt« nennen. Quedlinburg rückt nach, weil mindestens 15 Unternehmen dazu bereit waren, sich nach den Regeln der Initiative zertifizieren zu lassen. Diese Hürde, die entsprechend der Einwohnerzahl variiert, wurde nun genommen.

Aus der Sicht des Gastes

Die beteiligten Betriebe kommen hauptsächlich aus der Tourismusbranche. Sie schickten ihre Mitarbeiter zu Schulungen und bekannten sich zur Weiterentwicklung ihrer Angebote. Dazu gehörten beispielsweise eine aktuelle und informative Homepage, Freundlichkeit im Umgang mit dem Kunden, übersichtliche Formulare und weniger Beschwerden oder Reklamationen. In Quedlinburg kontrollieren Experten der Hochschule Harz, ob die Ziele und Vorhaben auch umgesetzt wurden. »Es ist eine Art Hilfe zur Selbsthilfe, weil die selbst auferlegten Ansprüche sich positiv auf den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens auswirken«, sagt Hochschulmitarbeiterin Claudia Kusebauch. Im Klartext: Gutes Marketing und Service locken Kunden und bringen Umsatz. Hinter dem »Q« steckt der Deutsche Tourismusverband, unter dessen Federführung die Initiative Service-Qualität im Jahr 2007 gegründet wurde.

»Wir sind stolz darauf, weil es eine Initiative ist, die von unten kommt«, sagt Stadtsprecherin Sabine Bahß. »Von unten« bedeutet, dass sich die Unternehmen aus eigenen Beweggründen daran beteiligen. »Es ist kein Projekt, das von oben dirigiert wird«, bestätigt die Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins, Andrea Weyhe.

Auch Hotelier Marco Jakob hat sich auf eigene Kosten für die Qualitätsoffensive schulen und sein Haus mit dem »Q« zertifizieren lassen. »Für mich war es wichtig, meinen Betrieb aus der Sicht des Kunden zu betrachten. Ich habe gelernt, dass Dienstleistung im Kleinen anfängt. Mich hat das Projekt auf alle Fälle weitergebracht.« Jetzt muss Jakob jedes Jahr mindestens acht Servicepunkte verbessern. »Ich bin dauernd in der Pflicht, sonst verliere ich das Zertifikat.«

1,5 Millionen Besucher

Quedlinburg darf sich zunächst für die nächsten drei Jahre mit dem Titel »Qualitätsstadt« schmücken. »Für uns ist es ein Anfang«, sagt Initiatorin Weyhe, deren Geschäft für Wohnaccessoires ebenfalls ein »Q« trägt. »Wir wollen weitere Unternehmen überzeugen, mitzumachen.«

Die Fachwerkstatt Quedlinburg gehört seit 1994 zum Welterbe der UNESCO. Im historischen Stadtzentrum reihen sich auf 90 Hektar rund 1300 Häuser aus verschiedenen Stil- und Zeitepochen aneinander. Jedes Jahr werden rund 1,5 Millionen Tagestouristen gezählt.

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