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Klarheit über Flugrouten im Januar
Lärmkommission fasste ihre Empfehlungen abschließend zusammen
Schönefeld (dpa/ND). Die Fluglärmkommission für den künftigen Großflughafen Schönefeld hat am Montag abschließend ihre Empfehlungen zusammengefasst. Am 4. Juli zeigt sich, ob die Deutsche Flugsicherung (DFS) den Vorschlägen folgt, die teils deutlich von ihren eigenen abweichen. Sicher wissen die Anwohner dann erst im Januar, welche Routen die Flugzeuge einschlagen. Dann entscheidet das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung darüber. Diesen Zeitplan nannte die Kommissionsvorsitzende Kathrin Schneider gestern.
Die Kommission hatte sich vor Wochen festgelegt: Auf der Nordbahn starten die Flugzeuge in beiden Richtungen geradeaus, nach Westen gibt es nur einen leichten Nordknick, um Ludwigsfelde und Gemeinden wie Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf zu entlasten.
Für die Südbahn soll gelten: Die Maschinen nach Westen drehen um bis zu 15 Grad nach Süden ab. Nach Osten schlagen sie sogar eine scharfe Rechtskurve ein, um Zeuthen zu meiden. Zusätzlich soll in dieser Richtung eine Ausnahmegenehmigung für Geradeausflüge beantragt werden.
Schneider forderte die Behörden auf, die Empfehlungen zu berücksichtigen. Mehr kann sie nicht tun. Die Kommission ist nur ein beratendes Gremium. Die DFS hatte schon skeptisch auf den Vorschlag reagiert, den Kurs der Maschinen im Westen bis zum Berliner Ring festzuschreiben, um Potsdam zu umfliegen. Schneider sprach von Neuland, das die Kommission im Herbst betrat, und von Lernprozessen. »Flugzeuge erzeugen Lärm. Die Fluglärmkommission kann diesen Lärm nicht vermeiden.« Ziel sei, dass möglichst wenig Menschen betroffen sind.
»Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, jetzt ist es an der Politik, Wort zu halten«, sagte die Vorsitzende der Bürgerinitiative Keine Flugrouten über Berlin, Marela Bone-Winkel. Die Politik habe versprochen, dass sie den Empfehlungen Bedeutung beimisst.
Der Sprecher der Berliner Flughäfen, Ralf Kunkel, sagte: »Die DFS wird sicherlich nicht einfach so daran vorbeigehen.« Kunkel äußerte, er sei froh, dass der Routenvorschlag der Flugsicherung vom September vom Tisch sei. Die Forderungen der Kommission, Nachtflüge komplett zu verbieten und auf ein Drehkreuz für umsteigende Fluggäste zu verzichten, wies er aber zurück. »Das würde 15 Jahre Berliner und Brandenburger Luftverkehrspolitik konterkarieren.« Berlin brauche einen leistungsfähigen Flughafen.
Der Vorsitzende der Zeuthener Bürgerinitiative, Martin Henkel, sagte rückblickend, die Kommission sei zwar bei grundsätzlichen Forderungen ein »zahnloser Tiger«, etwa wenn es um das Nachtflugverbot gehe. »Bei den Flugrouten hat sich aber seit September eine Menge getan.«
»Die Aufgabe, in einem konstruktiven Dialog Empfehlungen zu erarbeiten, die zu möglichst wenig Fluglärm für möglichst wenige Bürger führen, wurde hervorragend erfüllt«, lobte Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD). »Mehr als drei Dutzend Vertreter von Städten und Gemeinden, des Flughafens und von Luftfahrtunternehmen haben ihren Sachverstand und ihre Ortskenntnis eingebracht, um die Flugroutenvorschläge der DFS zu qualifizieren.« Auch wenn klar sei, dass es sich nur um Empfehlungen handelt, so zeichne sich doch ab, dass die Flugsicherung »schon sehr gute Argumente herausholen muss, wenn sie bessere Routen vorlegen will«.
Seitdem die Flugsicherung am 6. September ihre Routenvorschläge vorgestellt hatte, befasste sich die Fluglärmkommission in elf Sitzungen mit Anflügen und Abflügen. Statt halbjährlich traf man sich nun monatlich oder sogar alle 14 Tage. Der Großflughafen Schönefeld soll am 3. Juni 2012 in Betrieb gehen.
Die Landesregierung sollte sich »konsequent und eindeutig für ein strenges Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr einsetzen«, forderte Grünen-Landeschef Benjamin Raschke. »Da braucht sie sich nicht damit herauszureden, dass die Festlegung der Routen selbst auf Bundesebene stattfindet.«
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