Auch ohne Camps weiter Proteste
Spaniens »Empörte« mit neuen Aktionen
Weil sich an der wirtschaftlichen und politischen Krise im Land nichts geändert habe, sollen nur die Protestformen geändert werden, so die »Indignados«. Verstärkt will man sich nun dort betätigen, wo die Probleme offen zu Tage treten: in den Stadtteilen. Auf zentralen Plätzen sollen Informationspunkte erhalten bleiben, die zudem für zentrale Versammlungen dienen. Die Bewegung hat sich politisiert, der Happeningcharakter nimmt ab.
In und um Barcelona etwa unterstützen Empörte bedrohte Familien, die aus ihren Wohnungen geräumt werden sollen, weil sie die Hypotheken wegen Arbeitslosigkeit nicht mehr bezahlen können. Sie nennen es »Betrug«, dass nicht nur die Wohnung weg sei, sondern die Familien auch den Banken oft noch hohe Summen schulden. Meist kann die Räumung verhindert werden, und bisweilen erhalten die Familien wenigstens einen Mietvertrag.
In Madrid wiederum begaben sich jetzt rund 2000 Empörte spontan zum Parlament, um gegen Reformen im Tarifrecht zu demonstrieren. Nachdem die Sozialpaktgespräche zwischen Gewerkschaften, Arbeitgebern und Regierung zur Tarifrechtsreform gescheitert sind, vermuten die »Empörten«, dass die sozialdemokratische Regierung im Gesetz, das am Freitag beschlossen werden sollte, erneut die Positionen der Unternehmer übernimmt.
So war es schon bei der Renten- und Arbeitsmarktreform, durch die keine neuen Jobs entstanden sind, wie die Unternehmer stets behauptet haben. Die Rekordarbeitslosigkeit von über 21 Prozent macht das deutlich, bei jungen Menschen beträgt sie sogar fast 50 Prozent. Gespottet wurde vor dem Parlament auch über die Gewerkschaften, die durch Abwesenheit glänzten.
Am Samstag kehrt die Bewegung zu den Ursprüngen zurück. Im ganzen Land wird sie vor die Rathäuser ziehen, wenn sich die neuen Gemeinderäte bilden. Wie vor den Wahlen lautet das Motto: »Sie repräsentieren uns nicht.«
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