Sieches Prestigeprojekt
Einrichtung der Hamburger Hafencity-Universität kommt nicht voran, kostet aber Unsummen
Das einstige Leuchtturmprojekt des alten Hamburger CDU-Senats, die Hafencity-Universität (HCU), droht wegen Geldmangels zu scheitern: Die Lehreinrichtung für Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung steht finanziell vor der Pleite. In der SPD-Fraktion des neuen Hamburger Bürgermeisters Olaf Scholz wird Presseberichten zufolge sogar eine Zusammenlegung der HCU mit der Technischen Hochschule Harburg erwogen. Offiziell wollte ihr Parlamentarischer Geschäftsführer Dirk Kienscherf dies zwar nicht bestätigen, räumte aber ein, dass es in seiner Fraktion »diverse Strukturüberlegungen« zur Hafencity-Universität gibt.
Kurz zuvor hatte HCU-Präsident Walter Pelka für eine Online-Petition 3273 Unterschriften gesammelt und damit seine Forderung an den Senat nach »Eigenständigkeit und ausreichender Finanzierung« untermauert. Bei einem Jahresetat von 13 Millionen Euro fehlen der neuen Universität regelmäßig drei Millionen Euro.
»Die Ursachen für das nachhaltige Defizit liegen dabei überwiegend in Fehlannahmen und Fehlberechnungen in der Gründungsphase«, teilte die Universität in einer schriftlichen Erklärung mit. »Erfolgt die seit Jahren überfällige Korrektur des nachweislich nicht ausreichenden Gründungsbudgets nicht, würde dies für die HCU einen sich über fast ein Jahrzehnt hinschleppenden Schrumpfungsprozess bedeuten.«
Kritik von allen Seiten
Die Hafencity-Universität war erst Anfang des Jahres 2006 vom damaligen Wissenschaftssenator Jörg Dräger als hochgepriesenes Vorzeigeprojekt ins Leben gerufen worden. Sie sollte das Image der umstrittenen Hafencity, dem sterilen neuen Reichenviertel, aufpolieren und Hamburg als Wissenschaftsstandort voranbringen. Doch wie bei den anderen Leuchtturmprojekten der alten CDU-Regierungen auch liefen die Kosten ins Uferlose. Der Baubeginn für das eigentliche Uni-Gebäude in der Hafencity verzögerte sich, weil der Senat mit den Handwerksbetrieben nachverhandeln musste.
Erst Ende vergangenen Jahres wurde nun mit den Arbeiten begonnen, die bis 2013 insgesamt rund 66 Millionen Euro kosten sollen. Aber noch immer ist das bürokratische Konstrukt der Hafencity-Universität auf verschiedene Standorte der ehemaligen Fachhochschule, der Universität Hamburg und der Technischen Universität Harburg verteilt.
Während außer dem Finanzloch für die HCU offiziell zurzeit noch nichts entschieden ist, hagelt es bereits Kritik von allen Seiten. Die Hamburgische Architektenkammer und die Hamburgische Ingenieurkammer-Bau fürchten um die künftige Ausbildungsqualität der Bauakademiker. »Eine Großstadt wie Hamburg steht vor Herausforderungen, die ohne den Sachverstand hochqualifizierter Architekten, Ingenieure und Stadtplaner gar nicht bewältigt werden können«, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.
Die Linksfraktion im Rathaus fordert den Erhalt der Eigenständigkeit der HCU sowie eine ausreichende finanzielle Ausstattung. Auch die Grünen wenden sich gegen eine mögliche Fusion. »Das Problem ist die Unterfinanzierung der Hochschulen – nicht die Hochschulstruktur. Eine Fusion löst nicht die Probleme. Wir brauchen mehr Geld für Wissenschaft und Forschung«, erklärte deren hochschulpolitische Sprecherin Eva Gümbel.
Frist bis Ende September
Den Vorschlag einer Zusammenlegung hatte zunächst die neu im Rathaus vertretene FDP in die Diskussion gebracht – bei der SPD stieß er auf offene Ohren. Für die CDU hingegen kommt ein Aus für ihr eigenes Vorzeigeprojekt nicht in Frage. »Die Politik sollte nicht den Fehler machen, mit einer solchen Strukturdiskussion erfolgreiche Hochschulen gegeneinander auszuspielen. Die HCU ist eine Bereicherung für den Hochschulstandort Hamburg«, erklärte Thilo Kleinbauer, der wissenschaftspolitische Sprecher der CDU.
Wie es mit der Hafencity-Universität tatsächlich weitergeht, scheint derzeit noch offen. Die SPD-Fraktion will bis Ende September eine abschließende Position finden.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.