Heiße Phase des Wahlkampfes
Die große Materialschlacht beginnt: Tausende Plakate dürfen seit heute in der Stadt hängen
Einige wie die Grünen und die CDU konnten es nicht abwarten. Auf kommerziellen Flächen werben sie schon seit Wochen mit ihren Plakaten. »Warm Up« – Aufwärmen nannte das die Union. Doch das war nur ein Vorgeschmack. Zwar sind einige Kandidaten noch im Urlaub, doch schon am Sonntag begann in Berlin die heiße Phase des Abgeordnetenhauswahlkampfes.
Ab jetzt, sieben Wochen vor der Wahl, die am 18. September stattfinden soll, dürfen auch offiziell Plakate geklebt und Infowahlstände im öffentlichen Raum aufgebaut werden.
Allerdings erlaubte der Bezirk Mitte das Aufhängen von Plakaten schon am Sonnabend und auch anderswo waren da schon Plakate zu sehen. Der Wahlkampf dürfte eine Materialschlacht sondergleichen werden. Allein 1,7 Millionen Euro will die SPD aufwenden, die zum dritten Mal mit ihrem Spitzenkandidaten, dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, ins Rennen geht. Nur mit ihrem Slogan »Berlin verstehen« und Bildern wollen die Sozialdemokraten dabei zunächst auf ihren Plakaten auskommen und ohne das Konterfei ihres Politstars. Dennoch wird geklotzt, 50 000 bis 60 000 Plakate will die SPD kleben, und in einer späteren Phase soll auch stark mit dem Gesicht Klaus Wowereits geworben werden.
Zumindest finanziell abgeschlagen folgen die Grünen, die mit rund einer Millionen Euro an den Start gehen. Ihre Spitzenkandidatin Renate Künast macht auf Macherin und will mit ihrer Partei an die Probleme der Stadt ran. Den Regierenden Bürgermeister, dessen Beliebtheit auch Künast nicht abstreitet, will die Grünen-Spitzenfrau auf seinem ureigenen Feld, dem Sozialen, schlagen. Ob das klappt, ist fraglich. In Umfragen lagen die Grünen zuletzt weit hinter der SPD.
Konkret an den Problemen der Menschen wollen auch CDU und LINKE wirken. Freilich aus ganz unterschiedlichen Richtungen: Während die Union nach einer Bürgerbefragung zum Wahlkampf im Internet mit ihrem Spitzenkandidaten Frank Henkel (»Der Aufräumer«) auf klassische Law-and-Order-Themen setzt, möchten die Sozialisten mit Harald Wolf mit ihren Erfolgen in der neun Jahre währenden Koalition mit der SPD wuchern: Vergabegesetz, Individuelle Kennzeichnung der Polizisten, Öffentlicher Beschäftigungssektor und Schaffung von Arbeitsplätzen schreiben sich die Genossen auf ihre Fahnen. 700 000 Euro will die LINKE aufwenden, die CDU ist wie die Grünen mit einer Million Euro dabei.
Mit gerade einmal 350 000 Euro wirkt der Etat der FDP bescheiden. Landeschef Christoph Meyer versucht das drohende Rausfliegen aus dem Abgeordnetenhaus mit Ironie zu kompensieren. Neben den fünf bereits im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien treten 17 weitere an. Auch deren Plakate sind ab sofort zu sehen. Einige der kleineren Parteien treten allerdings nur in bestimmten Bezirken an.
Fotos: dpa (4) ,
ND-Foto: Camay Sungu (r.o.)
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