Warnstreik beim Roten Kreuz
Einrichtungen in Schleswig-Holstein stillgelegt
Dicke Luft bei den DRK-Beschäftigten in Schleswig-Holstein: Nach mehreren ausgedehnten Protestaktionen während Mittagspausen erfolgte am Donnerstag der erste große Warnstreik in verschiedenen Einrichtungen des Deutschen Roten Kreuzes im Land. Die aktuellen Tarifauseinandersetzungen betreffen rund 1000 Beschäftigte, die häufig auch für DRK-Tochtergesellschaften tätig sind.
Zehn Prozent weniger
Für mehrere Stunden ruhte die Arbeit im Schul- und Therapiezentrum in Schwentinental (Kreis Plön), im Krankenhaus für Geriatrie und Neurologie Middelburg (Kreis Ostholstein), in der Nordsee-Reha-Klinik St. Peter Ording sowie im Zentrum für Gesundheit und Familie auf der Insel Pellworm. »Es kam zu sichtbaren Betriebsstörungen«, berichtete die zuständige Verhandlungsführerin Sabine Hebenstein von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di erfreut über die sichtbaren Auswirkungen des kurzzeitigen Ausstandes.
Außerdem versammelten sich rund 120 Streikende vor der DRK-Landesgeschäftsstelle in Kiel. Während das erklärte Ziel von ver.di eine Entgelterhöhung von acht Prozent ist, lehnt dies die Geschäftsleitung der Rot-Kreuzler bislang ab. Der Landesverband stand 2004 vor der Insolvenz und ist unter anderem auch durch den Lohnverzicht der Beschäftigten überhaupt wieder auf die Beine gekommen. Doch als Folge dessen liegt der Verdienst der DRK-Mitarbeiter inzwischen bis zu zehn Prozent unter dem Niveau anderer Kreis- und Landesverbände.
Unterdessen bilanziert das Deutsche Rote Kreuz Schleswig-Holstein wieder gewaltige Überschüsse. Laut dem jüngsten Geschäftsbericht des Wohlfahrtsverbandes erwirtschaftete man 1,9 Millionen Euro. Nach Angaben des DRK fließen die Gewinne jedoch noch immer in die Begleichung der Altlasten. Der Landesverband war seinerzeit durch offenkundige Missstände im Bereich seiner Pflegehäuser, durch den finanziellen Ruin von Seniorenanlagen sowie durch Defizite in der Reha-Klinik von St. Peter Ording in eine extreme Schieflage geraten.
»Erst der Auftakt«
DRK-Sprecher Paul Herholz versteht die Empörung der Beschäftigten nicht: 2009 und 2010 hätten die Vollzeitmitarbeiter immerhin eine Sonderzahlung in Höhe von 1500 Euro brutto erhalten. Im vergangenen Jahr gab es zudem 2,1 Prozent mehr Gehalt. Die Umsetzung der ver.di-Forderung sei gleichzusetzen mit einer drohenden Arbeitsplatzvernichtung, hieß es seitens des DRK.
Die Gegenseite kritisierte dagegen die sture Haltung des Wohlfahrtsverbandes. Verhandlungsführerin Sabine Hebenstein bleibt, auch wenn der Konflikt schon mehrere Wochen schwelt, kampfeswillig: »Das war erst der Auftakt. Wir werden mit unserem Protest durchhalten und diesen noch verschärfen!«
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