Empört auf dem Alex
Aktivisten solidarisieren sich unter freiem Himmel
Seit Samstag besteht ein Protestcamp auf dem Alexanderplatz, nach dem Vorbild der Bewegung der »Indignados« (»Empörten«) in Spanien. Junge Menschen in Berlin solidarisieren sich so mit der Bevölkerung in Spanien, Griechenland, Israel, Chile und in den arabischen Ländern. Die Aktion begann mit einem großen Konzert. Im Anschluss an die Party versammelten sich rund 100 Leute und entschlossen sich, Zelte aufzustellen. Die Polizei ließ jedoch keine Zelte zu, so dass 50 AktivistInnen unter freiem Himmel schliefen. Ein Dutzend Zelte wurde tagsüber aufgebaut, ab Montag wurde auch dies polizeilich untersagt, auch das Aufhängen von Transparenten war nicht mehr möglich.
Die »Empörten« stellten am Montag einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht, der jedoch vertagt wurde. »Wir demonstrieren vor allem, um unseren Unmut über ein gescheitertes Gesellschaftssystem zum Ausdruck zu bringen, das künstlich am Leben erhalten wird und dabei Tag für Tag für mehr Armut, mehr Krieg, mehr Ungerechtigkeit und mehr Ausbeutung auf der Welt führt«, schreiben die ProtestcamperInnen in einer Erklärung. Alle benötigten einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel – »doch wissen wir auch, dass dies nicht von heute auf morgen geschehen kann. Wir denken, daher ist es Zeit, sich zu vernetzen. Es ist Zeit, den öffentlichen Raum zu besetzen und gemeinsam in Dialog zu treten«, heißt es.
Bisher schließen sich erst wenige den »Empörten« an, während sich in Spanien die Bewegung, die am 15. Mai zu Protesten in mehr als 50 Städten aufrief, immer mehr ausweitet. Mit der Aktion möchten die Aktivisten eine Art öffentliche Plattform bieten und sehen sich im Geiste der internationalen Bewegung.
In Spanien setzt sich der Protest mittels Stadtteilversammlungen fort, auf denen unter anderem erfolgreich Aktionen gegen Zwangsräumungen von Menschen, die ihre Hypotheken nicht mehr zahlen können, verabredet werden. In Berlin lebende SpanierInnen organisierten gemeinsam mit anderen mehrere Solidaritätskundgebungen. Sie treffen sich weiterhin regelmäßig zu Versammlungen und koordinieren sich dabei mit griechischen und anderen AktivistInnen, um am 17. September und 15. Oktober Solidaritätsaktionen in Berlin zu planen.
AktivistInnen aus Spanien wandern seit dem 26. Juli aus vielen Orten bis zum 8. Oktober nach Brüssel. Ab 7. Oktober wollen sich auch Leute aus Aachen anschließen. Am 17. September rufen AktivistInnen in den USA dazu auf, vor der New Yorker Börse auf der Wall Street zu zelten.
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