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S-Bahn bremst sich aus

Unternehmen wird dieses Jahr keinen kompletten Fahrplan mehr anbieten

  • Bernd Kammer
  • Lesedauer: 3 Min.

Es ist immer noch ziemlich viel Sand im Getriebe der S-Bahn - oder besser zu wenig. Weil im Herbst die Fahrzeuge mehr Bremssand verbrauchen, sind viele mit fast leeren Sandbehältern unterwegs. Folge: Sie können automatisch statt 80 nur noch Tempo 60 fahren. In den vergangenen Tagen hat das die Fahrpläne ziemlich durcheinander gewirbelt. Hinzu kommt ein Mangel an Fahrern, der immer wieder zu Zugausfällen führt. Laut S-Bahnchef Peter Buchner liegt der Krankenstand derzeit bei neun Prozent, fast doppelt so hoch wie normal. Gleichzeitig sei der Bedarf an Fahrern durch Tarifänderungen und die zusätzlichen Überführungsfahrten in die Werkstätten explodiert. Derzeit hat die S-Bahn etwa 1000 Lokführer, 1100 werden gebraucht. Zwar werde verstärkt ausgebildet, aber dafür müssten wieder Lehrer aus dem Fahrdienst abgestellt werden, so Buchner.

Auch das Bremsproblem ist nicht so leicht zu beheben. Die S-Bahnen werden seit diesem Jahr mit automatischen Füllstandsanzeigen ausgerüstet, die beim Absinken des Sandvorrats auf unter 30 Prozent die Züge abbremsen.Verschärfend kommt hinzu, dass manche Kontrollsysteme laut Buchner grundlos Fehler anzeigen, was den gleichen Effekt hat. Der Hersteller soll sie nun überarbeiten. Außerdem will Buchner zum Auffüllen der Sandbehälter mobile Teams einsetzen, damit die Züge dazu nicht erst in die Werkstatt müssen.

Wegen der Probleme wird die S-Bahn entgegen ihrer Ankündigung in diesem Jahr nicht mehr den kompletten Fahrplan von vor der Krise anbieten. Zwar ist Buchner zuversichtlich, dass wie versprochen bis Ende Dezember die Zahl der dafür nötigen Doppelwagen von derzeit 476 auf 500 steigen wird, doch sollen mit den zusätzlichen Wagen vor allem bestehende Züge verlängert werden. Zum Beispiel, um auf der Linie S 7 die Fahrgäste von der gesperrten Regionalbahn nach Potsdam aufzunehmen. Die seit zwei Jahren eingestellte Linie S 85 (Waidmannslust-Grünau) wird somit voraussichtlich erst nächstes Jahr wieder in Betrieb gehen.

Aber auch Bauarbeiten bremsen die S-Bahn. Besonders hart kommt es im kommenden Jahr für die Fahrgäste auf der Ringbahn, wo der Verkehr zwischen Schönhauser Allee und Neukölln/Baumschulenweg vom 30. März bis 16. April gesperrt ist. Das ist nötig, um den neuen Ringbahnsteig und ein neues elektronisches Stellwerk in Betrieb zu nehmen. Ursprünglich waren dafür nur zehn Tage vorgesehen. Pech haben Fahrgäste, die diese Baustelle mit der U 2 umfahren wollen - die soll zur gleichen Zeit zwischen Pankow und Rosa-Luxemburg-Platz gesperrt werden. Gleiches trifft von 21. Juni bis 3. August S-Bahn-Fahrgäste der S 2 zwischen Marienfelde und Lichtenrade und vom 16. bis 24. April auf dem Südring. Insgesamt investiert die Bahn im kommenden Jahr 534 Millionen Euro in ihr Gleisnetz und die Modernisierung der Bahnhöfe. Größter Brocken bleibt das Ostkreuz.

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