- Brandenburg
- Brandenburg
Arm trotz Arbeit
Bericht zur Lage in Brandenburg und Berlin
Trotz stark gesunkener Arbeitslosigkeit hat die Armut in Berlin und Brandenburg nicht abgenommen. Viele Rentner sind arm. Aber insgesamt sind die Ruheständler keineswegs die Gruppe mit dem höchsten oder auch nur einem hohen Armutsrisiko, sagte die Präsidentin des gemeinsamen Statistikamtes, Ulrike Rockmann, als sie in dieser Woche den Sozialbericht für Berlin und Brandenburg vorstellte.
Verglichen mit 2005 ist die Armutsgefährdung in beiden Bundesländern gleich groß geblieben, die soziale Lage hat sich weder verbessert noch verschlechtert. Gegenüber anderen Bundesländern oder gar im internationalen Vergleich liege eine »ausgesprochen entspannte Lage« vor, hieß es. Die Maßnahmen der Politik zur Armutsbekämpfung hätten sich als »durchaus effektiv« erwiesen, meinte Abteilungsleiter Peter Lohauß. Dass keine signifikante Verbesserung der Lage eingetreten ist, obwohl die Arbeitslosenquote in Berlin zurückgegangen ist und sich in Brandenburg sogar halbiert hat, ist nach Darstellung von Lohauß »kein beruhigender Zustand«.
In den Untersuchungen zur Armut werde laut Rockmann ermittelt, inwieweit Menschen die Möglichkeit zur materiellen, kulturellen oder sozialen Teilhabe an der Gesellschaft haben und was möglicherweise zu Ausgrenzung führt. Armutsgefährdet sind Rockmann zufolge Menschen, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens zur Verfügung haben, das wären in Brandenburg Menschen mit weniger als 777 Euro netto im Monat und in Berlin Einwohner mit weniger als 810 Euro netto im Monat. Dieser Gruppe gehören 14,2 Prozent der Berliner und 13,6 Prozent der Brandenburger an.
Im Zusammenhang mit der Information, dass höhere Qualifizierung das Armutsrisiko mindert, kam Rockmann auf ein positives Erbe zu sprechen. Weil in der DDR eine Berufsausbildung die Regel war, gibt es auch heute noch in Brandenburg nur 12,9 Prozent Frauen mit niedrigem Bildungsstand, in Berlin sind es wegen seines Westteils 18,9 Prozent und im Deutschland-Schnitt 25,4 Prozent.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.