Licht an im Hubertusbad

Bürgerinitiative will denkmalgeschützte Lichtenberger Einrichtung wiederbeleben

  • Klaus Teßmann
  • Lesedauer: 3 Min.
Verblichener Glanz im Schwimmbad für Frauen.
Verblichener Glanz im Schwimmbad für Frauen.

Seit 20 Jahren hat das alte Stadtbad Lichtenberg geschlossen. Seit 20 Jahren setzt der Bezirk seine Hoffnungen auf neue Ideen und Investoren. Mit diesem Gedanken wird sich am morgigen Dienstag die 2. Hubertusbad-Konferenz in der Egon-Erwin-Kisch-Bibliothek beschäftigen. Der Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) sowie die Stadträte Wilfried Nünthel (CDU) und Andreas Prüfer (LINKE) haben ihre Teilnahme zugesagt.

Nur wenige Menschen konnten in den vergangenen Jahren hinter die verschlossenen Türen des altehrwürdigen Hubertusbades blicken. Aber die Hoffnung auf eine neue Chance im Sanierungsgebiet Frankfurter Allee Süd ist geblieben. Der Sanierungsbedarf ist hoch, der Bezirk geht von rund 20 Millionen Euro aus, denn das Bad steht unter Denkmalschutz.

Seit April 2011 engagiert sich die Bürgerinitiative »Licht an im Hubertusbad« für die Belebung des Stadtbades. Die Sprecherin Birgit Monteiro verweist darauf, dass viele ältere Bewohner das Bad noch in guter Erinnerung haben. Denn dort haben sie als Kinder Schwimmen gelernt und ihre Freizeit im Bad oder in der Sauna auf der Dachterrasse verbracht.

Einwohner und der Mieterbeirat Frankfurter Allee Süd bilden die Bürgerinitiative und haben Unterschriften gesammelt. Bereits im August 2011 hatte die Bürgerinitiative 1904 Unterschriften an das Bezirksamt übergeben. Birgit Monteiro sagte, dass inzwischen noch einmal 243 Unterschriften dazu kamen. 391 Unterstützer haben sich im Internet für eine Belebung des Bades ausgesprochen. »Die insgesamt 2538 Unterstützer sind für mich eine besondere Verpflichtung, auch in Zukunft an dem Thema dranzubleiben«, betonte Monteiro.

Die Planung für das Bad geht noch auf eine Zeit zurück, als das Dorf Lichtenberg eine Stadt werden wollte. An das Stadtrecht waren bestimmt Auflagen geknüpft, dazu gehörten auch soziale Einrichtungen wie ein Krankenhaus oder ein Bad. Als Lichtenberg 1908 das Stadtrecht erhielt, wurde schon über ein Bad diskutiert, doch der Grundstein wurde erst 1919 gelegt. Aber erst in den Jahren 1925 bis 1928 wurde das Stadtbad gebaut. Zu dieser Zeit war Lichtenberg schon keine eigene Stadt mehr, sondern im Oktober 1920 nach Groß-Berlin eingemeindet worden.

Damals war das Bad wichtig für die hygienischen Verhältnisse in den Arbeitersiedlungen. Die Wohnungen hatten keine Duschen oder Bäder, und so stiegen die Lichtenberger einmal in der Woche im Stadtbad in die Badewanne oder gingen Schwimmen. Auf der rechten Seite - das große Bad - war das Herrenbad, auf der linken Seite - das kleine Bad - war das Damenbad. In der oberen Etage standen die Badewannen dicht nebeneinander, nur durch Vorhänge getrennt.

Für damalige Verhältnisse war es ein modernes Bad. Ganz oben befand sich eine Saunatherme. Auf dem Dach konnten sich die Besucher auf der Sonnenterrasse erholen - streng getrennt nach Männlein und Weiblein. Auch an medizinische Versorgung war schon gedacht. Von der Eingangshalle fuhr ein Fahrstuhl direkt hinauf zu den medizinischen Behandlungen im zweiten Stock. Im Keller ist immer noch der Friseursalon erhalten.

Abgeblätterte Farbe, die alten Fliesen, die Umkleidekabinen mit direktem Zugang zum Schwimmbad, der Sprungturm - sie geben ein Zeugnis von der Baukunst vergangener Tage ab. Das Aus für das Hubertusbad begann schon Ende der 80er Jahre. Das Männerbad wurde 1988 geschlossen. Männer und Frauen benutzen dann gemeinsam das kleine Schwimmbad der Frauenabteilung.

Das Bad musste 1991 wegen baulicher Mängel endgültig schließen. Seitdem dümpelt es vor sich hin, verschiedene Initiativen kämpften bislang erfolglos für eine Sanierung.

Weitere Informationen im Internet bei: www.hubertusbad.org. Am 21. Februar wird sich ab 19 Uhr die 2. Hubertusbad-Konferenz in der Egon-Erwin-Kisch-Bibliothek, Frankfurter Allee 149, mit dem Thema beschäftigen.

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