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Martin Delius / Der Berliner Pirat will Bundesgeschäftsführer werden

  • Martin Kröger
  • Lesedauer: 2 Min.

Der Piraten-Hype nimmt kein Ende. In bundesweiten Umfragen steigen die Werte der Partei weiter in ungeahnte Höhen: Mit zuletzt zwölf Prozent lagen die Piraten vor der LINKEN und nur noch knapp hinter den Grünen. Grund genug für die Funktionäre, so möchte man meinen, sich auch mal entspannt zurückzulehnen und den Erfolg zu genießen. Doch Stillstand und Stagnation sind für Martin Delius das größte Risiko, dass der kometenhafte Aufstieg vor der nächsten Bundestagswahl 2013 seinen Niedergang finden könnte. Niemand solle sich auf den Umfragen ausruhen, sagt der 27-jährige Berliner Pirat.

Delius selbst fühlt sich zu Höherem berufen: Als Politischer Geschäftsführer will der Physiker und Softwareentwickler die Piratenpartei auf Bundesebene weiter voranbringen und inhaltlich fortentwickeln - und damit Nachfolger der populären Piratin Marina Weisband werden, die ihr Amt aufgrund der Belastung im politischen Betrieb zur Verfügung stellt.

Für Piratenverhältnisse hat Martin Delius, der 2009 aus der Hochschulpolitik zu den Freibeutern stieß, tatsächlich einiges vorzuweisen: Zum einen hat er großen Anteil an der Entwicklung der Software »LiquidFeedback«, mit der sich die Piraten untereinander austauschen. Zum anderen besitzt Delius Organisationstalent, denn nicht zuletzt seiner Tätigkeit als Parlamentarischer Geschäftsführer im Berliner Abgeordnetenhaus ist es zu verdanken, dass die Fraktion dort nach Anfangsschwierigkeiten inzwischen immer besser in Tritt kommt. Delius ist es gelungen, ein Team zu formen, das einige inhaltliche Stiche in der Hauptstadt setzen konnte.

Dass der in Halle geborene und im Spreewald aufgewachsene Politiker dabei wenig charismatisch daherkommt, muss bei den Piraten kein Nachteil sein - im Gegenteil, die Parteibasis mag Amtsträger, die lediglich als Vollstrecker agieren. Gegen die Wahl Delius zum Bundesgeschäftsführer sprechen indes zwei Faktoren: Einmal sind Berliner Piraten im Bund als arrogant verschrien, zum anderen will Delius sein Abgeordnetenhausmandat behalten. An seiner Person könnte sich ein grundsätzlicher Streit zu Amt und Mandat entzünden.

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