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Ruin für Flughafenhändler?
Nils Busch-Petersen ist Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg
nd: Herr Busch-Petersen, über 100 Händler sind von der Absage der Eröffnung des Hauptstadtflughafens »Willy Brandt« betroffen. Haben Sie als Verbandsvertreter so ein Desaster schon mal erlebt?
Busch-Petersen: Ich habe Eröffnungsfeiern im Einzelhandel erlebt, da stand hinter dem Vorhang die ganze Handwerkertruppe für den Einsatz. Sobald der letzte Gast raustaumelte, tobte man los, weil noch gar nicht alles fertig war. So können wir es mit dem Flughafen aber nicht machen.
Welche Konsequenzen hat die Absage für die Flughafenhändler?
Es gibt unterschiedlich betroffene Kaufleute: Die einen wollen wechseln und können jetzt nicht. Da laufen Ausverkäufe in Tegel mit reduzierten Preisen. Die anderen machen neu auf. Wie bei den Wechslern haben diese Investitionen vorgenommen, teilweise auch Kredite aufgenommen. Ich kenne keine Bank, die sagt, du brauchst keine Tilgung und keine Zinsen zahlen. Kurz: Es entstehen erhebliche Kosten, schließlich sind auch schon Waren geordert worden.
Kann man die Höhe des Schadens für den Handel beziffern?
Nein. Aber allein der Umsatzausfall dürfte sich pro Monat im niederen siebenstelligen Bereich bewegen. Das ist heftig.
Wer kommt für den Schaden auf? Es heißt, niemand der Kaufleute soll ruiniert werden.
Das wurde uns im ersten Gespräch zugesichert. Es gib keinen Grund, daran zu zweifeln. Nun muss man prüfen, wie die Kaufleute selber eine Ausweitung der Probleme begrenzen können. Wichtig ist zudem, dass sich der Vermieter fair verhält.
Besonders betroffen sind auch die Beschäftigten.
Das hängt davon ab, wie sie vertraglich gebunden sind. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das für beide Seiten folgenlos bleibt: Auf der einen Seite wird nichts produziert und verkauft, es sollen aber Löhne bezahlt werden. Natürlich haben die Mitarbeiter einen Anspruch auf ihre Bezahlung. Bei freien Mitarbeitern, die umsatzabhängig bezahlt werden, sieht das schlechter aus.
Aber auch da gibt es Lösungen. Ich kann nur an alle appellieren, mit Besonnenheit die Probleme anzugehen.
Hegt der Handelsverband gar keine Ängste, dass die Touristen wegbleiben und der Einzelhandel insgesamt betroffen wird?
Für den Einzelhandel der Region sind die Folgen gering. Es ist doch so, dass ein kleines Center, 20 000 Quadratmeter, drei Monate später aufmacht. Wir haben aber 60 innerstädtische, zwölf außerstädtische Shopping-Center allein in Berlin. Dennoch ist die Verschiebung für uns alle ein Schlag: Dieses rohstoffarme Land hat ein Image und Exportartikel, das sind Ingenieurkunst, technisches Know-how, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit. Das klingt sehr preußisch, sind aber noch Tugenden, die wir exportieren können. Genau diese Punkte sind beschädigt worden, das ist der weltweite Imageschaden.
Die Öffnung ist jetzt für August vorgesehen ...
Wir wünschen uns eine Öffnung so schnell wie möglich und so sicher wie nötig. Wenn der Flughafen dann gut angenommen wird, dann kräht in drei Jahren kein Hahn mehr danach. Wir sind glücklich, dass mal wieder was schiefgegangen ist, das ist auch so eine deutsche Krankheit.
Fragen: Martin Kröger
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