Noch sind nicht alle Deiche saniert

Bis 2020 sollen jährlich rund 30 Millionen Euro investiert werden

  • Steffi Prutean, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.

Zweimal Hochwasseralarm an Oder und Elbe binnen fünf Jahren und in heftigster Form: Im Juli 1997 brachen an der Oder in Brandenburg trotz aufopferungsvollem Einsatz der Bundeswehr und anderer Helfer die Deiche. Viele Häuser in der Ziltendorfer Niederung wurden überflutet, auch die Schäden in der Landwirtschaft waren verheerend.

Fast genau fünf Jahre später - im August 2002 - stiegen die Pegelstände der Elbe dramatisch an. Doch der Einsatz zahlreicher Helfer im Süden und Nordwesten Brandenburgs zahlte sich aus, die Deiche hielten dem Druck der Wassermassen stand. In Mühlberg (Elbe-Elster) erreichte der Wasserstand 9,99 Meter, das ist viermal höher als sonst um diese Jahreszeit. Die rund 4100 Einwohner zählende Stadt wurde sicherheitshalber evakuiert. Als die Mühlberger in ihre Häuser zurückkehrten, machte das Wort vom »Wunder von Mühlberg« die Runde. Wie an der Oder halfen Soldaten der Bundeswehr mit Hubschraubern. Die Menschen schippten Tag und Nacht Sandsäcke voll, um sich vor der Flut zu schützen. In der Prignitz war jedoch keine Evakuierung nötig.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) erinnerte Mitte Juni dieses Jahres im Oderbruch an die dramatischen Sommertage 1997, als die Menschen um ihr Hab und Gut bangten. Damals war er - noch als Umweltminister - tagelang an den Flussufern anzutreffen, was ihm die Bezeichnung »Deichgraf« einbrachte.

Sommer- oder auch Johanni-Hochwasser sind gefürchtet. Sie entstehen, wenn es wegen besonderer meteorologischer Gegebenheiten im Einzugsgebiet der großen Flüsse extrem regnet. Die Wasserstände schwellen an, so dass der Katastrophenschutz aktiv wird. Nach der Elbeflut installierte die Landesregierung in Potsdam ein Koordinationszentrum Krisenmanagement. »Es ist ständig verfügbar«, sagt Wolfgang Brandt, Vize-Sprecher im Innenministerium. »Die Reaktionszeit hat sich auf eine Stunde verkürzt.« Das Zentrum könne für alle Krisenfälle genutzt werden.

Ob Hochwasser oder nicht - das Katastrophenschutzlager in Beeskow (Oder-Spree) hält alles vor, was in solch einem Fall gebraucht wird. Derzeit sind das rund drei Millionen Sandsäcke, Regenmäntel, Gummistiefel, aber auch Notstromaggregate und Wolldecken. Mit dem Hochwasserschutz hat die Landesregierung eine enorme Aufgabe zu stemmen. Rund 1000 Kilometer Deiche harren der Sanierung. Nach denen an Oder und Elbe folgen die Schutzanlagen kleinerer Flüsse.

»Bis zum Jahr 2020 soll das Deichprogramm abgeschlossen sein«, verspricht Umweltministerin Anita Tack (LINKE). Jährlich sollen rund 30 Millionen Euro investiert werden, in diesem Jahr etwa 35 Millionen Euro. Brandenburg und Polen sind inzwischen gut vernetzt. Auf Karten soll künftig das komplette Einzugsgebiet der Oder verzeichnet sein.

Der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, betont: »Wir müssen den Flüssen mehr Raum geben. Als erstes Beispiel dieser Art in Deutschland haben wir einen Deich an der Elbe bei Lenzen verlegt.« Wenn in Mühlberg zum Deichtag am 18. August an das Elbehochwasser erinnert wird, wird auch ein neuer Deichabschnitt übergeben. »Noch sind nicht alle Deiche saniert«, sagt Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos). Wegen fehlender Gelder verschiebe sich alles. »Wir müssen immer mal Druck auf die Regierung machen, damit es mit der Deichsanierung weitergeht.«

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