Permanente Ungewissheit
Eine Berliner Comic-Autorin erzählt vom Lebensgefühl afrikanischer Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt
Warten. Viel mehr können die Flüchtlinge in den Asylbewerberheimen oft nicht tun. In ihrem Comic »Im Land der Frühaufsteher« erzählt die Zeichnerin Paula Bulling vom Lebensgefühl afrikanischer Flüchtlinge in Sachsen-Anhalt. In Schwarz-Weiß-Bildern hat die Berliner Künstlerin das meist trostlose Dasein der auf Asyl hoffenden Menschen festgehalten. Sie leben in zu Wohnheimen umfunktionierten früheren Kasernen der Roten Armee, ehemaligen Fabrikgebäuden oder DDR-Pionier-Ferienlagern - teils weit außerhalb der Städte und mit wenig Kontakt zur Bevölkerung.
Die erste Graphic Novel der 26-jährigen Comic-Autorin ist ein autobiografisches Werk. Als Studentin lebte Bulling fünf Jahre in Halle. Sie besuchte in Heimen in Bernburg, Halle, Möhlau, Halberstadt und Marke vor allem Westafrikaner, die sie über eine Selbsthilfeorganisation von Flüchtlingen kennengelernt hatte. »Das Trostloseste ist die permanente Ungewissheit über den Ausgang des Asylverfahrens«, sagt Bulling. Die Flüchtlinge können kein normales Leben führen. »Das ist auf Dauer extrem zermürbend - dieses Stillhalten ist das Schlimmste.«
Bullings Comic buchstabiert dabei nicht plakativ die einzelnen Schicksale der Flüchtlinge in ihren Herkunftsländern aus oder ihre gegenwärtigen Schwierigkeiten mit deutschen Behörden und oft versteckt vorkommendem Rassismus. Ihr Comic benannt nach dem Werbeslogan des Landes Sachsen-Anhalt - lebt vielmehr von Stimmungen und Andeutungen. Das Besondere: die Zeichnerin hat sich selbst in den Comic hineingezeichnet, als Jemand, der sich bei Recherchen manchmal selbst fremd und ausgeschlossen fühlt.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.