Meine Sicht
Unpolitischer Vandalismus - Martin Kröger zur gesunkenen Zahl brennender Autos
Dass in Berlin Linksradikale die Haupttäter bei den Brandstiftungen an Fahrzeuge stellen, ist ein Mythos, der sich seit Jahren hartnäckig über die Landesgrenzen hinaus hält. Natürlich gibt es in der Hauptstadt auch politisch motivierte Brandstiftungen: Etwa wenn Logistikunternehmen der Bundeswehr angegriffen werden oder die Fahrzeuge von Energiekonzernen, die im Atomgeschäft tätig sind. Sicher gab es auch Linksradikale, die dem Irrglauben erlegen waren, dass es im Kampf gegen die Verdrängung sinnvoll ist, sogenannte Nobelkarossen anzuzünden. Doch schon das war nicht vermittelbar. Schließlich ging bei diesen Aktionen viel zu häufig der Kleinwagen des Nachbars mit in Flammen auf.
Nun räumt selbst die Polizei ein, dass bei den Brandstiftungen in diesem Jahr die Hintergründe alles andere als politischer Natur sind: Vielmehr spielen nämlich spontaner Vandalismus oder pyromanische Veranlagungen eine Rolle. Dieser Hang zum Feuerlegen ist ein Phänomen, das sich in der Vergangenheit häufig auf Mülltonnen konzentrierte, jetzt trifft es Autos. Hinzu kommen gezielte Racheaktionen oder Verdeckungsbrände, bei denen nach einem Autodiebstahl Spuren verwischt werden sollen. Außerdem gibt es da noch die Trittbrettfahrer, die ihre Versicherungen betrügen wollen.
Alles in allem also eine Vielzahl von Ursachen, bei denen die politische Motivation, Fahrzeuge anzuzünden, nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Auch das muss an dieser Stelle einmal festgehalten werden.
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