Der Alte Fritz im neuen Bronzerock
Zum Ortsjubiläum erhält Friedrichshagen ein Denkmal von F. Zwo
Zwei Stiefel stehen mitten auf dem Friedrichshagener Marktplatz an der Bölschestraße. Sie sind überdimensional groß, 70 Zentimeter hoch, der Schaft misst 24, die Sohle 41 Zentimeter. Die gewaltigen, goldfarben aussehenden Treter gehören Friedrich II. und durften gestern schon mal »Probestehen«. Anlässlich des ersten Spatenstichs für das neue Denkmal des einstigen Ortsgründers wurden sie erstmals öffentlich gezeigt. Denn nächstes Jahr, genau am 11. Mai, zum 250-jährigen Bestehen des Ortsteils, soll der Alte Fritz wieder am Markplatz stehen: Am gleichen Ort wie 1904, denn schon damals wurde eine Bronze-Statue des Bildhauers Görling eingeweiht.
Wo sich zurzeit noch eine Werbesäule der Firma Wall befindet, mit Informationen zum Friedrichshagener Wahrzeichen, wird in den nächsten Wochen gebuddelt. »Vielleicht stoßen wir auf das Fundament von einst«, hofft Stuckateurmeister Meinhard Krüger. Er fertigt mit seiner Firma den 3,18 Meter hohen Sockel. Rund 25 Kubikmeter Gussbeton wird er verarbeiten und den geschwungenen »Thron« zumindest äußerlich wie den Vorgänger herrichten. Einen Unterschied gibt es dennoch, sagt Krüger. »Der alte Sockel bestand aus Marmor, aber das ist heute viel zu teuer«. Wie viele Friedrichshagener gehört Krüger zu den Spendern für das neue Denkmal. 10000 Euro spendiert er für die Sockelarbeiten. Für Alfred-Mario Molter, den Sprecher der Initiative zur Wiedererrichtung des Denkmals, ist das auch das Besondere an dem ehrgeizigen Projekt. »Es wird ausschließlich durch Sponsoren finanziert«, sagt der Friedrichshagener. Rund 42000 Euro kamen bereits zusammen, gebraucht wird reichlich das Doppelte.
Doch Molter ist optimistisch und nach eigener Aussage mit »potenziellen Sponsoren« im Gespräch. Die bekannte Bildergießerei Seiler aus Schöneiche kann jedenfalls immer nur so viel Teile herstellen, wofür auch das Geld vorhanden ist. Der Stock, die Platte, ein Teil des Mantels und der halbe Oberkörper wurden schon in Bronze gegossen. »Zwölf Teile sind fertig, 22 gehören insgesamt zum Kunstwerk«, sagt Ziseleurin Ramona Seiler. »Es macht Spaß an diesem Denkmal mitzuwirken«, gesteht die 22-jährige Tochter des Geschäftsführers. Die Arbeiten sind sehr aufwendig. So wurde zunächst die Gipsform des armenischen Künstlers Spartak Babajan, der seit Jahren in Amerika lebt, zersägt. Davon entstehen jetzt nach und nach Sandabformungen, danach der Guss.
Für Babajan, der im März Berlin besuchte und das Modell des Standbildes fertigte, war es eine Herausforderung. Denn der Künstler wollte dem Alten Fritz möglichst den Gesichtsausdruck verleihen, den er vermutlich im Jahre 1753 hatte, als er das heutige Friedrichshagen als »Friedrichsgnade« gründete. In einem Kunstband fand er die Totenmaske und konnte anhand der Knochenstruktur Friedrich II. im Alter von 41 Jahren gestalten.
Unklar bleibt nach wie vor, was aus dem einstigen Denkmal wurde. Alte Friedrichshagener erinnern sich daran, dass es 1945 vom Sockel gestoßen wurde. Nach Recherchen des Köpenicker Heimatmuseums ist die Statue vermutlich zwischen 1947 und 1950 einer Buntmetallsammlung zum Opfer gefallen und eingeschmolzen worden. Vom histo...
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