- Brandenburg
- Historischer Rahmen für das Brandenburger Tor
Enkelin läßt Liebermann-Haus bauen
(ND-Kammer). Der Senat will endlich den Startschuß für die Wiederherstellung eines der schönsten Plätze Berlins geben: Am Pariser Platz soll nach den Plänen des Berliner Architekten Josef Paul Kleihues das „Haus Liebermann“ genau an jener Stelle nördlich des Brandenburger Tores entstehen, wo das im zweiten Weltkrieg zerstörte Haus des weltbekannten Berliner Malers stand.
Das neue viergeschossige Liebermann-Haus orientiert sich an seinem historischen Vorbild. In dem spätklassizistischen Gebäude hatte Max Liebermann, als jüdischer Künstler von den Nazis verfolgt, gewohnt und gearbeitet. 1935 starb er 87jährig in dem Haus am Brandenburger Tor. Auftraggeberin für den Architekten ist die 70jährige Enkelin des Malers, Mary White, die heute in New York lebt. Im vergangenen Jahr wurde ihr Restitutionsantrag positiv beschieden.
So klar sind die Besitzverhältnisse auf den übrigen Grundstücken am Pariser Platz nicht. Deshalb ist auch noch nicht entschieden, ob und wann das von Kleihues geplante symmetrische, äu-ßerlich völlig gleiche Pendant des Liebermann-Hauses an der Südseite des Tores gebaut werden kann. Bis 1945 gehörte das sogenannte „Sommer-Haus“ der Rheinischen Hypothekenbank. Unklare Eigentumsverhältnisse behindern auch das Bauvorhaben auf je-
nem Eckgrundstück, auf dem eine Erbengemeinschaft zusammen mit der Kempinski-AG das historische Hotel „Adlon“ wieder auferstehen lassen will.
Für das Liebermann-Haus will der Senat umgehend die Baugenehmigung erteilen, jedoch nicht ohne das Projekt zuvor noch einmal mit der Bundesregierung im gemeinsamen Ausschuß Bonn-Berlin zu beraten. Der tagt am 17.
März. Bausenator Nagel hatte sich bereits Anfang Februar in einem Brief an die Bundesbauministerin für die Wiederherstellung des Pariser Platzes in Form einer kritischen Rekonstruktion ausgesprochen. Das würde bedeuten, daß es eine enge Umfahrung des Brandenburger Tores, wie vom Verkehrssenator favorisiert, nicht geben wird. Denn dem stünden die beiden jetzt von Kleihues geplanten sym-
metrischen Tor-Häuser im Wege. Womit die Diskussion um die Öffnung des Tores neue Nahrung erhalten wird.
Das neue Liebermann-Haus soll nach den Vorstellungen des Investors, der Harald Quandt Grundbesitz KG, die sechs Millionen Mark in das Projekt steckt, „kein Renditeobjekt im klassischen Sinne“ sein, sondern kulturell genutzt werden. Gedacht sei zum Beispiel an Ateliers.
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