Sich in die Kindheit zurück versetzen lassen

Kunst, Kulinarisches und Kultur in natürlicher Umgebung genießen

  • Christoph Nitz
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.
Eingebettet in den idyllischen Naturpark "Uckermärkische Seen" liegt das ehemalige Glasmacherdorf Annenwalde. Neben 96 Einwohnern und 636 Linden verfügt Annenwalde heute über einen Gasthof und eine Glashütte. Ein rühriges Ehepaar betreibt den Landgasthof "Kleine Schorfheide" und veranstaltet das ganze Jahr über das "Dorf-Kultur-Jahr".
Wer sich auf den Weg nach Annenwalde macht, glaube, »dass die Welt hier noch in Ordnung ist«, erklärt Christa Kothe die Faszination des kleinen Dorfes in der Uckermark. Mancher Besucher fühle sich in die Kindheit zurückversetzt und könne sich vom Alltag entspannen. Die Zeitreise beginnt auf den letzten Metern vor dem Dorf. Eine in vielen Prospekten des Landes Brandenburg abgebildete Kopfsteinpflasterallee lässt den Reisenden das Tempo drosseln, »wer nach Annenwalde kommt, bringt Ruhe mit.« Die Reise lohnt, denn neben der einzigen von Schinkel erbauten Dorfkirche lockt eine einzigartige Mischung aus Kunst und Kultur. Mittendrin Christa und Werner Kothe mit ihrem Landgasthof "Kleine Schorfheide" und vielen Ideen, um das Dorf zu beleben.

Nach der Wende wenig Zukunft
Das Dorf wurde im Januar 1754 vom Amtsrat Zimmermann auf »wüsten Feldmark Densow« ge-gründet, berichtet das historische Dorflexikon. Zu Ehren seiner Ehefrau Anna-Margareta gab er dem Flecken den Namen Annenwalde. Zimmermann errichtet eine Glashütte und siedelt 20 Familien aus Mecklenburg, der Pfalz, Franken und Sachsen an. Die Glashütte wird 1865 geschlossen und fortan lebten die Annenwalder von der Schifffahrt auf der Havel. Am Rande eines riesigen Truppenübungsplatzes der Roten Armee gelegen, war eine LPG zu DDR-Zeiten Hauptarbeitgeber. Im zehn Kilometer entfernten Templin waren viele Gästehäuser und Ferieneinrichtungen, die mit der Wende meist geschlossen wurden. Das kleine Dorf schien wenig Zukunft zu haben, denn die LPG überlebte die neue Zeit nicht, Betriebe gab es keine und schon in der DDR hatten die jungen Leute Annenwalde verlassen, um ihr Glück und eine Arbeitsstelle andernorts zu finden.
1991 eröffnete Bildhauer Werner Kothe die "Kleine Galerie Waldhus" in Annenwalde, nachdem er 1986 aus Berlin weggezogen war, um als freiberuflicher Gestalter von Gartenskulpturen zu arbeiten. Schon im ersten Jahr kamen mehr als 3000 Besucher zu Ausstellungen in die Galerie. Gemeinsam mit Ehefrau Christa wurde das emsige Paar zu einer Ideenschmiede für die Region. Zunächst organisierte man wechselnde Ausstellungen uckermärkischer und brandburgischer Künstler. 1992 wurde der "Kultursommer in der Galerie Waldhus" ins Leben gerufen, der heute vom Verein "Glashütte Annenwalde e.V." organisiert wird. 1995 wurde der ehemalige Dorfkrug Annenwaldes zum Landgasthof umgebaut, nachdem das Gebäude zuvor vier Jahre lang leergestanden hatte. »Bei der Eröffnung hatten wir die Pinsel noch in der Hand«, erinnert sich lachend Christa Kothe an die Anfänge. Ein fünfjähriger Kampf um die Genehmigung einer Glashütte an historischem Ort führte schließlich zum Erfolg: Am 20. Dezember 2000 konnte die Glashütte Annenwalde eröffnet werden. Doch neben dem Erhalt des Erreichten sind die Kothes immer bemüht, mit orginellen Projekten Annenwalde attraktiver zu machen. Das alte Gutshaus, 1947 abgebrannt bis auf die Grundmauern, wurde wiedererrichtet. Ein Weinberg mit 537 Rebstöcken wurde am Südhang des Gutsgeländes als »nördlichster zugelassener Weinbau« in Betrieb genommen. Und mit einem europäischen Garten des Lions-Clubs, dessen Grundsteinlegung im Februar 2003 stattfand, dürfte der Ideenreichtum sicherlich noch kein Ende gefunden haben.
Die Kartoffel hört bekanntlich im uckermärkischen auf den Namen "Nudl", da die zugezogenen Hugenotten ihre Knolle als "nouelle" kannten. Die Hugenotten kamen um 1690 in die Uckermark. In der "Kleinen Schorfheide" werden die Gäste von Küchenchefin Kerstin Dankert kulinarisch durch die Region geführt. Im Gästebuch freut sich ein Gast: »Ein Essen hier im Landgasthof ist ein kulinarischer Streifzug durch die Uckermark.« Reichlich Fisch aus den umliegenden Seen findet sich auf der Karte und natürlich kommt die "Nudl" zu besonderen Ehren. Vor dem Gasthof hat Werner Kothe der Knolle ein Denkmal gesetzt.

Informationen:
Landgasthof "Kleine Schorfheide", Annenwalde 13, 17268 Densow, Tel.: (03987)54074, Internet: www.annenwalde-landgasthof.de
TourismusService Templin, Tel.: (03987)263
Glashütte Annenwalde, Tel.: (03987)200250

Veranstaltungen im Landgasthof: noch bis 12. Oktober: 7. An-nenwalder Nudl-Woche: Kulinarisches und Kulturelles rund um die Kartoffel.
15. November "Spiegelbilder" - Lieder, Chansons und G...

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