Mit Äpfeln gegen Bildungsabbau

Technische Universität setzt Streik fort/Protestaktionen an HU und FU/Flierl hat Verständnis

  • Stefan Mentschel
  • Lesedauer: 3 Min.
Der studentische Protest geht weiter. Am gestrigen Mittwoch fanden an unterschiedlichen Punkten der Hauptstadt erneut Aktionen gegen die vom Senat veranlassten massiven Kürzungen im Bildungshaushalt statt. Bis 2009 müssen allein die drei Berliner Universitäten 75 Millionen Euro einsparen. Zudem wird die Einführung von Studiengebühren befürchtet. Vor mehreren Dutzend Studierenden hielt Physikprofessor Eckehard Schöll von der Technischen Universität (TU) eine Vorlesung am Roten Rathaus. Mit Veranstaltungen auf der Straße wollen die Protestler die Öffentlichkeit über ihr Anliegen informieren. Bereits seit einer Woche befindet sich die TU nach Beschluss der studentischen Vollversammlung im Streik. Am gestrigen Nachmittag beschloss das Gremium die Fortsetzung der Aktion. Studierende und Mitarbeiter der von Schließung bedrohten Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät (LGF) der Humboldt-Universität (HU) verkauften in der Luisenstraße in Mitte »Protestäpfel« für den Erhalt ihres in Ostdeutschland einzigartigen Instituts. Die LGF stehe für die Verankerung von Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft in der Gesellschaft, betonte die Wissenschaftlerin Katharina Reuter. »Vor allem aus diesem Grund rufen wir die Politik auf, sich für den Erhalt des Instituts einzusetzen.« Am kommenden Dienstag soll der Forderung mit einen Traktoren-Korso durch die Innenstadt - vorbei an den Parteizentralen - Nachdruck verliehen werden. Zeitgleich mit der Apfelaktion der LGF trafen sich im Audimax der HU rund 1400 Studierende zu einer Vollversammlung. Doch anders als an der TU wurde hier der Streikbeschluss zunächst auf den 19. November vertagt. Bis dahin soll an der Universität für die Proteste mobilisiert werden. »Wir müssen genau überlegen, was mit einem Streik erreicht werden soll«, betonte Thomas Sieron vom ReferentInnenrat der HU. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass der Protest zu schnell zusammenbreche. Seine Kommilitonin Katrien Badura zeigte sich enttäuscht: »Ein sofortiger Streik wäre sinnvoller gewesen, um die TU zu unterstützen und die Mehrheit der Studierendenschaft aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken.« Diese Äußerung ist ein Seitenhieb in Richtung Freie Universität (FU), wo lediglich am Otto-Suhr-Institut (OSI) für Politikwissenschaft Protestansätze gegen die Sparpolitik sichtbar sind. Doch auch dort hält sich der Aktionismus der Studierendenschaft in Grenzen. Am Dienstag hatten sich rund 400 OSIaner gegen einen Streik ausgesprochen, obwohl bereits drei ihrer Professoren - Peter Grottian, Wolf-Dieter Narr und Fritz Vilmar - aus Protest die Arbeit niedergelegt haben. Peter Grottian sieht es gelassen. Wenn möglichst viele Studierende in die Proteste einbezogen werden sollen, sei es durchaus verständlich, dass nicht gleich der Streik ausgerufen werde, sagte er gegenüber ND. »Aber die Studierenden, so habe ich es gestern in der Vollversammlung wahrgenommen, fassen es schon als ein ermutigendes Zeichen auf, wenn auch Hochschullehrer in die Bütt gehen.« Am kommenden Dienstag findet am OSI ein Aktionstag statt. Für Sonnabend, 13 Uhr, rufen die Studenten zu einer Großdemo am Brandenburger Tor auf. Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) äußerte Verständnis für die streikenden Studenten. Forderungen wie die nach mehr Mitbestimmung würden von ihm unterstützt. Die Kritik an der Sparpolitik treffe ihn zwar, räumte Flierl ein, »aber die Rahmenbedingungen sind eben nicht zu ändern«.

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