Schon Kinder für Lärm sensibilisieren
Das UfU will Wissenschaft mit Bürgerengagement kombinieren
Das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU), im März 1990 gegründet, ging aus der Umweltbewegung der DDR hervor. Seine 15 Beschäftigten widmen sich den Themen Landschaftsökologie, Klimaschutz und Bildung, Lärmschutz wie auch Umweltrecht und Bürgerbeteiligung. Mit UfU-Geschäftsführer Michael Zschiesche sprach ND-Mitarbeiter Heiko Balsmeyer.
ND: Hat das UfU ein politisches Grundverständnis?Zschiesche: Unser Motto lautet »Umweltwissenschaft bürgernah«. Wir setzen auf die Mündigkeit von Bürgern, auf eigenständige Denkprozesse. Das heißt, sich selber einzumischen in aktuelle umweltpolitische Fragestellungen. Insofern ist der Ansatz per se schon politisch. Das spiegelt sich durch die Projekte und Mitarbeiter des UfU wieder. Im Moment erforschen wir beispielsweise empirisch, wie es denn mit der Wahrnehmung von Bürgerrechten im Umweltschutz vor allem in den neuen Ländern aussieht. Gleichzeitig versuchen wir Lobbyarbeit zu betreiben, damit die Parlamentarier von der Existenz der Aarhus-Konvention erfahren, die Bürgerbeteiligung stärken will und stärken soll. Hier gibt es zwei entsprechende EU-Richtlinien, deren Umsetzung derzeit ansteht und die kaum ein Parlamentarier kennt.
Wie finanziert sich das UfU?
Ausschließlich über Drittmittel, Spenden und Mitgliedsbeiträge. Wir verstehen uns sowohl als außeruniversitäre Forschungseinrichtung als auch als eine Bürgerorganisation, die umweltverbandlich tätig ist. Entsprechend handelt es sich bei uns auch um eine Mischfinanzierung. Einerseits erhalten wir Aufträge von Institutionen wie dem Bundesforschungs- sowie -umweltministerium, vom Umweltbundesamt, dem Berliner Senat, aber in jüngster Zeit auch von einige Firmen oder der EU sowie Stiftungen. Ohne institutionelle Grundförderung zu erhalten, müssen wir alle Finanzquellen ins Blickfeld nehmen, um dort für unsere Ideen Mittel einzuwerben oder Projekte über Ausschreibungen zu gewinnen.
Spielen die Mitglieder ihres Vereins dabei auch eine Rolle?
Ja, wir sind mitgliederorientiert, das war von Anfang an auch so gedacht. Dadurch bleibt Bewegung im UfU und eine sehr starke Transparenz. Derzeit unterstützen etwa 200 Mitglieder und etwa 50 Spender unsere Einrichtung, dadurch haben wir auch eine gewisse stabile Grundfinanzierung. Diese deckt aber nur die allernotwendigsten Kosten und das eine oder andere kleinere Projekt, wofür niemand Geld gibt, weil es zu unbequem ist.
Regen die Mitglieder Forschungen an?
Wir stellen uns das immer so vor, dass wir Projektideen, die auf unseren relativ breiten Ansätzen liegen, aufgreifen. Wir wollen uns bewusst offen halten, damit wir nicht nur aus der Substanz derer, die hier fest angestellt sind, leben. Sondern wir wollen das Spektrum weiter ziehen in die Gesellschaft hinein. Uns deshalb kann sich jeder mit Projektideen an uns wenden.
Worin unterscheidet sich das UfU von anderen Umweltforschern wie dem Öko-Institut?
Das Öko-Institut hatte einen ähnlichen Ansatz. Im Moment versuchen sie den auch, scheint mir, wiederzubeleben. Da ist eine Traditionslinie, die sich mit unserer ergänzt, also west- und ostdeutsch. Das Öko-Institut würde ich da eher als einen Bündnispartner sehen. Aber es gibt ganz andere Institute, wie das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, ein Institut der Blauen Liste mit 650 Mitarbeitern, ein »think tank« der Umweltwissenschaft, der in erster Linie Wissenschaft betreibt und sich mit seinen Ergebnissen nicht oder viel zu wenig in die Gesellschaft einmischt. Ganz generell gilt: Die Mitarbeiter und Akteure im Bereich Umweltschutz bei Nichtregierungsorganisationen in den neuen Ländern sind spärlich gesät. Nichtsdestotrotz gibt es eine enge Verknüpfung untereinander. Man muss sehen, aus relativ wenig, themenmäßig relativ viel zu machen.
Gibt es noch weitere Umweltforschungseinrichtungen in den neuen Ländern?
Es gibt in den neuen Ländern kaum noch funktionierende außeruniversitäre Einrichtungen wie uns. Wir haben gewissermaßen ein Alleinstellungsmerkmal in den neuen Ländern in diesem Bereich.
Gibt es ein laufendes Projekt, welches mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient hätte?
Susanne Neyen vom Bereich Lärmschutz macht zum einen Lärmwirkungsforschung mit den Kollegen vom Umweltbundesamt, wie sich Kinder im Alter von 10 bis 15 in ihren Hörgewohnheiten entwickeln und wie sich das Hörvermögen verändert, wenn sie beispielsweise anfangen, in Discotheken zu gehen. Das ist eine Längsschnittstudie über 5 Jahre und wissenschaftliches Neuland. Gleichzeitig schult sie in Kitas und Kindergärten die Erzieherinnen und hat eine Kinderbuch »Gut, dass du Ohren hast, gut, dass du hörst...« geschrieben. Das zeigt exemplarisch unseren Ansatz. Wir sind in der Lage nach wissenschaftlichen Standards zu arbeiten und gleichzeitig sensibilisieren wir die Bevölkerung bei bestimmten Themen.
Wie schätzen Sie die Umweltberichterstattung des ND ein?
Es gibt nur ganz wenige Tageszeitungen, die überhaupt eine Umweltseite haben. Von daher ist das schon etwas ganz Einmaliges und Besonderes und deswegen auch hilfreich. Das Interesse der Leserschaft wird sich sicherlich von dem anderer Tageszeitungen nicht so weit unterscheiden, daher wird Umwelt auch ein Thema sein, was viele Leser traditionell überblättern. Das Thema hat es schwer im Tagesgeschäft.
Internetseite des UfU: www.ufu.deND: Hat das UfU ein politisches Grundverständnis?
Zschiesche: Unser Motto lautet »Umweltwissenschaft bürgernah«. Wir setzen auf die Mündigkeit von Bürgern, auf eigenständige Denkprozesse. Das heißt, sich selber einzumischen in aktuelle umweltpolitische Fragestellungen. Insofern ist der Ansatz per se schon politisch. Das spiegelt sich durch die Projekte und Mitarbeiter des UfU wieder. Im Moment erforschen wir beispielsweise empirisch, wie es denn mit der Wahrnehmung von Bürgerrechten im Umweltschutz vor allem in den neuen Ländern aussieht. Gleichzeitig versuchen wir Lobbyarbeit zu betreiben, damit die Parlamentarier von der Existenz der Aarhus-Konvention erfahren, die Bürgerbeteiligung stärken will und stärken soll. Hier gibt es zwei entsprechende EU-Richtlinien, deren Umsetzung derzeit ansteht und die kaum ein Parlamentarier kennt.
Wie finanziert sich das UfU?
Ausschließlich über Drittmittel, Spenden und Mitgliedsbeiträge. Wir verstehen uns sowohl als außeruniversitäre Forschungseinrichtung als auch als eine Bürgerorganisation, die umweltverbandlich tätig ist. Entsprechend handelt es sich bei uns auch um eine Mischfinanzierung. Einerseits erhalten wir Aufträge von Institutionen wie dem Bundesforschungs- sowie -umweltministerium, vom Umweltbundesamt, dem Berliner Senat, aber in jüngster Zeit auch von einige Firmen oder der EU sowie Stiftungen. Ohne institutionelle Grundförderung zu erhalten, müssen wir alle Finanzquellen ins Blickfeld nehmen, um dort für unsere Ideen Mittel einzuwerben oder Projekte über Ausschreibungen zu gewinnen.
Spielen die Mitglieder ihres Vereins dabei auch eine Rolle?
Ja, wir sind mitgliederorientiert, das war von Anfang an auch so gedacht. Dadurch bleibt Bewegung im UfU und eine sehr starke Transparenz. Derzeit unterstützen etwa 200 Mitglieder und etwa 50 Spender unsere Einrichtung, dadurch haben wir auch eine gewisse stabile Grundfinanzierung. Diese deckt aber nur die allernotwendigsten Kosten und das eine oder andere kleinere Projekt, wofür niemand Geld gibt, weil es zu unbequem ist.
Regen die Mitglieder Forschungen an?
Wir stellen uns das immer so vor, dass wir Projektideen, die auf unseren relativ breiten Ansätzen liegen, aufgreifen. Wir wollen uns bewusst offen halten, damit wir nicht nur aus der Substanz derer, die hier fest angestellt sind, leben. Sondern wir wollen das Spektrum weiter ziehen in die Gesellschaft hinein. Uns deshalb kann sich jeder mit Projektideen an uns wenden.
Worin unterscheidet sich das UfU von anderen Umweltforschern wie dem Öko-Institut?
Das Öko-Institut hatte einen ähnlichen Ansatz. Im Moment versuchen sie den auch, scheint mir, wiederzubeleben. Da ist eine Traditionslinie, die sich mit unserer ergänzt, also west- und ostdeutsch. Das Öko-Institut würde ich da eher als einen Bündnispartner sehen. Aber es gibt ganz andere Institute, wie das Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, ein Institut der Blauen Liste mit 650 Mitarbeitern, ein »think tank« der Umweltwissenschaft, der in erster Linie Wissenschaft betreibt und sich mit seinen Ergebnissen nicht oder viel zu wenig in die Gesellschaft einmischt. Ganz generell gilt: Die Mitarbeiter und Akteure im Bereich Umweltschutz bei Nichtregierungsorganisationen in den neuen Ländern sind spärlich gesät. Nichtsdestotrotz gibt es eine enge Verknüpfung untereinander. Man muss sehen, aus relativ wenig, themenmäßig relativ viel zu machen.
Gibt es noch weitere Umweltforschungseinrichtungen in den neuen Ländern?
Es gibt in den neuen Ländern kaum noch funktionierende außeruniversitäre Einrichtungen wie uns. Wir haben gewissermaßen ein Alleinstellungsmerkmal in den neuen Ländern in diesem Bereich.
Gibt es ein laufendes Projekt, welches mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdient hätte?
Susanne Neyen vom Bereich Lärmschutz macht zum einen Lärmwirkungsforschung mit den Kollegen vom Umweltbundesamt, wie sich Kinder im Alter von 10 bis 15 in ihren Hörgewohnheiten entwickeln und wie sich das Hörvermögen verändert, wenn sie beispielsweise anfangen, in Discotheken zu gehen. Das ist eine Längsschnittstudie über 5 Jahre und wissenschaftliches Neuland. Gleichzeitig schult sie in Kitas und Kindergärten die Erzieherinnen und hat eine Kinderbuch »Gut, dass du Ohren hast, gut, dass du hörst...« geschrieben. Das zeigt exemplarisch unseren Ansatz. Wir sind in der Lage nach wissenschaftlichen Standards zu arbeiten und gleichzeitig sensibilisieren wir die Bevölkerung bei bestimmten Themen.
Wie schätzen Sie die Umweltberichterstattung des ND ein?
Es gibt nur ganz wenige Tageszeitungen, die überhaupt eine Umweltseite haben. Von daher ist das schon etwas ganz Einmaliges und Besonderes und deswegen auch hilfreich. Das Interesse der Leserschaft wird sich sicherlich von dem anderer Tageszeitungen nicht so weit unterscheiden, daher wird Umwelt auch ein Thema sein, was viele Leser traditionell überblättern. Das Thema hat es schwer im Tagesgeschäft.
Internetseite des UfU: www.ufu.de
Zum Weiterlesen gibt es folgende Möglichkeiten:
Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.