Die erste EVA einer Eva

Vor 20 Jahren arbeitete Swetlana Sawizkaja im freien Weltraum

  • Horst Hoffmann
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
Was Journalisten salopp einen Weltraumspaziergang nennen, heißt in der astronautischen Terminologie EVA - Extra Vehicular Activity, Tätigkeit außerhalb des Fahrzeugs im freien kosmischen Raum. Seit Alexej Leonow 1965 als erster Mensch ein solches gefährliches Abenteuer wagte, fanden 257 Ausstiegsaktionen statt, davon allein 54 für den Aufbau der internationalen Raumstation ISS. Als erste Frau arbeitete die Russin Swetlana Sawizkaja am 25. Juli 1984 außerhalb ihres Raumfahrzeuges. 300 Kilometer über Nordafrika verließ sie am Nachmittag den Orbitalkomplex Sojus T-11/Salut 7/Sojus T-12 durch eine Luke der als Schleuse dienenden Übergangssektion am Bug der Station. Drei Stunden und 35 Minuten umrundete sie als lebender Sputnik mehr als zwei Mal die Erde und kehrte nach getaner Arbeit jenseits von Südamerika über dem Äquator in die Raumstation zurück. Heute gibt es bereits 41 Raumfahrerinnen - 33 Amerikanerinnen, drei Russinnen, zwei Kanadierinnen sowie je eine Engländerin, Japanerin und Französin -, von denen sechs an neun EVAs teilnahmen, die zwei Tage, sieben Stunden und 30 Minuten dauerten. Die meisten Ausstiege vollführte Kathryn Thornton, die 1992/93 drei Mal den Space Shuttle verließ. Die längste EVA kann Susan Helms für sich verbuchen, die 2001 als Flugingenieurin der ISS-Besatzung acht Stunden und 56 Minuten außerhalb der Station arbeitete. »Sweta« vollbrachte auf ihrer fast 100000 Kilometer langen Rundreise um unseren blauen Planeten noch eine weitere Pionierleistung: Sie arbeitete als erster kosmischer Schweißer mit einem heißen Werkzeug im freien Raum. Das Schweißen, Schneiden, Löten und Galvanisieren erwies sich als Schwerstarbeit, bei der vom menschlichen Körper so viel Energie verbraucht wurde, dass ein Gewichtsverlust von bis zu drei Kilogramm auftrat. Pro Stunde ein Kilogramm! Dagegen ist jede irdische Diät läppisch. Die grazile Swetlana hatte das allerdings überhaupt nicht nötig. Böse Zungen behaupteten, die Kosmonautin Nr. 2 sei nur deshalb ausgewählt und zwei Mal eingesetzt worden, weil sie die Tochter eines hohen Militärs war. Ihr Vater Jewgeni Sawizki, ein legendärer Fliegerheld des Zweiten Weltkrieges mit 24 Luftkampfsiegen, stieg bis zum Marschall auf. Ohne Zweifel spielte das Vorbild des Familienoberhaupts eine wichtige Rolle. Doch das Leben der am 8. August 1948 in Moskau geborenen Swetlana, deren Bruder wie auch der Ehemann Flieger sind, beweist, wie zielstrebig und hartnäckig sie ihren eigenen Weg ging. Mit 17 Jahren stellte sie ihren ersten Weltrekord im Fallschirmspringen auf: 13716 Meter im freien Fall. Mit 22 wurde sie Weltmeisterin im Motor-Kunstflug und von der internationalen Presse als »Miss Sensation« gefeiert. Die Ingenieurin für Flugzeugbau und Testpilotin flog 1975 mit der E-133 (eine Rekordvariante der MiG-25) Geschwindigkeitsweltrekord für Frauen. Als »Sweta« fünf Jahre später in das sowjetische Kosmonautenkorps aufgenommen wurde, umfasste ihr Startkapital 18 Flugweltrekorde, 20 getestete Flugzeugtypen, 500 Fallschirmsprünge und 1500 Flugstunden. Zwei Jahre nach ihrem Ausstieg im All brachte sie ihren Sohn Konstantin zur Welt. Seit dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst 1993 lehrt Dr. Sawizkaja als Dozentin am Moskauer Luftfahrtinstitut MAI und seit 1995 ist sie Abgeordnete der Staatsduma der Russ...

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