Ein Sonderausschuss für alle Flughafenfragen
SPD-Fraktionschef zählt auch Besuche auf der Baustelle zu den Aufgaben des Gremiums
Der Landtag steuert darauf zu, einen Sonderausschusses zu bilden, der den Fortgang der Arbeiten am Hauptstadtflughafen in Schönefeld beobachten und begleiten soll. Hier sollen alle Fragen besprochen werden, die bislang in verschiedenen Ausschüssen zur Sprache kamen. Noch aber ist nicht klar, wie sich ein solcher Ausschuss im komplizierten Verantwortungsgefüge verhalten soll.
Zur bedrückenden Situation an der Flughafenbaustelle hat nach Ansicht von SPD-Fraktionschef Ralf Holzschuher auch die schwer zu durchschauende Zuständigkeitsstruktur beigetragen. »Wenn zu viele parallel das Gleiche tun, dann wird die Verantwortung unter Umständen weitergereicht«, sagte er gestern, einen Tag, nachdem Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) die Vertrauensabstimmung im Landtag gewonnen hatte.
Zu Beginn der Landtagssitzung am Montag hatte es einige Unstimmigkeiten zu der Frage gegeben, ob das Parlament bei der Gelegenheit auch gleich die Gründung eines Flughafenausschusses vornimmt. Schließlich wurde dies durch Mehrheitsbeschluss von der Tagesordnung genommen und auf später verschoben. Bislang waren Wirtschafts-, Bau- und Finanzausschuss getrennt mit Flughafenfragen befasst.
Holzschuher sagte gestern, er gehe davon aus, dass der neue Leiter der Stabsstelle Flughafen in der Staatskanzlei, Staatssekretär Rainer Bretschneider, vor den Mitgliedern des neuen Ausschusses regelmäßig Bericht erstatten werde. Auch Besuche des Ausschusses auf der Baustelle werde es geben müssen. Es könne aber nicht die Aufgabe des neuen Ausschusses sein, unmittelbar die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft oder ihren Aufsichtsrat zu kontrollieren, schränkte Holzschuher ein. Es gehe darum, den Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) bei seiner künftigen Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender zu begleiten, aber auch zu unterstützen. Bei dem Ausschuss werde es sich um einen normalen »Zehnerausschuss« handeln. Turnusmäßig stehe es der SPD zu, den Vorsitzenden zu stellen.
Zur Sprache kam gestern auch, welche Aussagekraft die Vertrauensfrage des Ministerpräsidenten besitzt, wenn offen beziehungsweise sogar namentlich abgestimmt wird. Wenig spektakulär hatten sich am Montag die Abgeordneten der Koalitionsfraktionen für Platzeck ausgesprochen, und die Oppositionsabgeordneten gegen ihn. »Auch ich bin zunächst davon ausgegangen, dass darüber geheim abgestimmt wird«, bekannte SPD-Fraktionschef Holzschuher. Er hege keinen Zweifel daran, dass Platzeck weniger Zustimmung erhalten hätte, wenn es so gewesen wäre. Doch hatte die CDU eine offene und namentliche Abstimmung beantragt und es damit eventuellen Kritikern Platzecks in der rot-roten Koalition mindestens erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht, dem Regierungschef einen Denkzettel zu verpassen.
Wie SPD-Fraktionssprecher Matthias Beigel hinzufügte, sieht die Geschäftsordnung des Landtags grundsätzlich die offene Abstimmung vor, also auch bei einer Vertrauensfrage des Ministerpräsidenten. Die wenigen Anlässe für geheime Abstimmungen sind definiert. Anders wäre es zum Beispiel bei einem konstruktiven Misstrauensvotum. Sollten parlamentarische Gegner des Ministerpräsidenten ein solches Misstrauensvotum einbringen und auch gleich eine personelle Alternative bei der Hand haben, wäre die Abstimmung darüber geheim.
Auf dieser Grundlage beispielsweise konnte das DDR-Ministerium für Staatssicherheit 1972 dem Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) zur Seite stehen. Brandt drohte damals die Abwahl bei einem konstruktiven Misstrauensantrag, angestrengt von seinem CDU-Opponenten Rainer Barzel. Der Versuch scheiterte aber knapp. Der DDR-Geheimdienst hatte zwei CDU-Abgeordnete bestochen, die sich daraufhin bei einer geheimen Abstimmung enthielten.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.