Wahlfänger

Bernd Fell hat Chancen auf ein Direktmandat der FDP in Niedersachsen

  • Marlene Göring
  • Lesedauer: 2 Min.

Vom Freizeitpolitiker zum Hoffnungsträger: Bernd Fell ist der Blitzerfolg der FDP in Niedersachsen. In seinem Wahlkreis kam er 2008 auf gerade mal 4,4 Prozent der Erststimmen, heute auf stolze 29. Das liegt nicht daran, dass der 64-jährige Elektroingenieur sich plötzlich berufen gefühlt hätte. Im Gegenteil, der frisch Pensionierte wollte sich eigentlich ins Private zurückziehen. Golf spielen. Zeit mit der Familie verbringen.

Jetzt macht ihm die CDU einen Strich durch die Rechnung. Fell soll die Wahl auf- und die Wähler einfangen. Nicht die eigenen, sondern die der Christdemokraten. Denn die haben keinen Direktkandidaten für den Wahlkreis Sarstedt mehr - und das, obwohl sie die letzten drei Landtagswahlen dort für sich entschieden. Der Grund: Jens Heinemann, 2013 erstmals Kandidat auf dem Spitzenplatz der CDU, hat geschummelt. Zuerst verkaufte der Reiseverkehrskaufmann seinen fristlosen Rauswurf aus dem Job als freiwilliges Ausscheiden, um sich »ganz dem Wahlkampf zu widmen«. Dann platzte die Lüge mit der Fachhochschulreife, die er gar nicht besitzt. Heinemann musste abtreten. Das Dilemma: Die Fristen sind abgelaufen, die CDU kann keinen anderen mehr aufstellen. Sollte er gewinnen, wird er das Mandat nicht annehmen. Jede Stimme für den 33-Jährigen wäre also eine der SPD geschenkte, deren Kandidat zurzeit bei 44 Prozent liegt.

Deshalb ergehen sich CDU und FDP nun in Liebesbezeugungen - zumindest im Wahlkreis 22. Schon vor möglichen Koalitionsverhandlungen verschmelzen sie zu einem einig-süßen Parteipaket. Die Konservativen empfehlen die liberalen Kollegen mit warmen Worten ihren Wählern an. Fell verspricht dafür volle Unterstützung für Ministerpräsident McAllister (CDU). Auf Landesebene will der aber lieber, dass jeder für sich kämpft. Während die FDP auf die Zweitstimmen der CDU aus ist. Denn im Moment ist der Einzug ins Landesparlament für die Gelben alles andere als sicher - womit auch die CDU verlieren würde, nämlich ihren Koalitionspartner. Fell wäre dann zwar der letzte Liberale in Hannover. Aber immerhin in Gesellschaft seiner Freunde von der CDU.

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