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Die eisernen Ladys wollen nicht rollern

  • Lesedauer: 3 Min.

Weibliche Politikerinnen seien »eiserne Arbeiterinnen«, ist die These der SPD- Bundestagsabgeordneten Edith Niehuis, »und wenn sie eine solche Event-Gesellschaft mitmachen sollen, dann beißt sich das«. Die Medien wollten nach ihrer Beobachtung immer so etwas »kindergar tenmäßiges machen« und die eisernen Ladys für ihre Fotos und Filmaufnahmen zum Beispiel auf den Roller setzen. Da gingen die Interessen eben auseinander. Und um Renate Künast machen sie sowieso einen Bogen. Die rollert öffentlich.

Dorothee Bamberger, eine von sieben weiblichen Reportern im ARD-Hauptstadtstudio, misst der fleißigen Sacharbeit der Politikerinnen gerade mal ein Drittel innerhalb ihrer Gesamtbedeutung zu. »Der Rest ist, dass es auch rüberkommt«. Selbst bei allergrößten Anstrengungen könne es Politikerinnen nur gelingen, in die 20-Uhr-Nachrichten zu kommen, wenn sie bekannt seien und die wichtigsten Themen bedienten. So könne eine Frau, die sich mit den Problemen der allein Erziehenden befasste, höchstens in der 15-Uhr Sendung auftauchen. Die Hierarchien und Machtgefüge seien in der ARD festgeschrieben.

Ernüchternde Fakten, die dem Drittel Frauen im Bundesparlament (noch nie waren es so viele wie heute) deutlich zeigen, wo der Hammer hängt und dass sie wirklich froh sein müssen, wenn jemand von ihren Haaren, Beinen oder Tränen Notiz nimmt. Ob sich die CDU-Vorsitzende Angela Merkel allerdings gefreut hat, als die BILD-Zeitung fragte, ob sie nicht vielleicht einen neuen Frisör benötige, darf getrost bezweifelt werden. Von Gunda Röstel, grüner Ex Vorstandssprecherin, ist zu berichten, dass sie den Fürt der Öffentlichen mit ihren langen Beinen einmal ganz gelassen damit kommentiert hatte, dass sie sich über dieses Interesse nur wundern könne, denn der Trittin hätte ja viel längere Beine. Wie viel Wut sie nichtöffentlich verschlissen hat, um dümmliche Schlagzeilen zu verarbeiten, wird sie wohl frühestens in einigen Jahren erzählen. Verständlicherweise schwer dürften die ZEIT-Schlagzeile »Zonen-Gabi« und deren TAZ-Weiterentwicklung »Zonen-Gabi im Glück« im Magen der neuen PDS-Vorsitzenden Gabi Zimmer kurz nach ihrer Wahl gelegen haben, denn die waren in der Tat ein Griff ins Vokabular des Kalten Krieges. Da tröstet die Feststellung wenig, dass auch männliche Politiker mit massenhaften Erörterungen ihrer Äußerlichkeiten leben müssen. Das zahme mediale Geschwätz über Außenminister Joschka Fischers Cerutti-Anzüge und Bundeskanzler Gerhard Schröders Cohiba-Zigarren ist nicht annähernd so abwertend wie seinerzeit die hämischen Berichte über die billigen Katalog-Goldkettchen der CDU-Familienministerin Claudia Nolte und heute die über die »Gabi aus Suhl«. Gab es jemals einen Zeitungs- Titel über einem Kanzler-Bericht, der »Gerhard aus Mossenberg« hieß?

Der nominelle Anteil von Frauen in der Politik sei gestiegen, beobachtet die Vor sitzende der Bundespressekonferenz, Tissy Bruns. Man sei aber noch nicht da angekommen, dass es genau so wichtig sei, was diese Frauen sagen. Für Bruns steckt in den großen Erwartungen, die man immer an die Politikerinnen richtet, auch eine gewisse Hoffnung - nämlich die, dass Frauen es besser machten als Männer. Sie hätten durch die Quote auch ein paar Probleme bekommen, beispielsweise die Ausbildung ihrer kämpferischen Qualitäten vernachlässigt. Zudem müssten sie in Kauf nehmen, dass weibliche Eigenschaften in der Politik als Manko gelten.

»Es ist nicht das Gleiche, ob Merkel heult oder Eichel«, illustriert Niehuis dies. »Da liegen andere Maßstäbe in der Luft«.

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