Mit der BVG smart unterwegs
Verkehrsbetriebe stellten neue Anwendung für Mobilfunknutzer vor
Die Straßenbahn M 4 bleibt kurz hinter der Hufelandstraße plötzlich stehen. Keine Ampel stoppt die Straßenbahn auf ihrem Weg nach Berlin-Mitte, der Fahrer informiert die Fahrgäste über einen Verkehrsunfall auf der Strecke, die meisten von ihnen setzen ihren Weg zu Fuß fort. Hektisch werden die Smartphones gezückt, um alternative Wege im Internet zu suchen. Für viele erfolglos: Bei einem der großen Mobilfunkanbieter sind Probleme an mehreren Basisstationen aufgetreten, das mobile Internet funktioniert nicht mehr.
Zur gleichen Zeit stellten gestern die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihre neue Anwendung (App) »Fahrinfo Plus« für Smartphones in einem schicken Café am Hackeschen Markt vor. Mit ihr können Fahrgäste jetzt nicht mehr nur ihre Route am Telefon planen, sondern direkt Fahrscheine für die Berliner Tarifbereiche ABC kaufen. Das Display des Telefons zeigt dann den Fahrschein an. Hierfür ist eine Registrierung nötig, auf dem Fahrschein wird der Name des Nutzers angezeigt. Die Zahlung erfolgt über den Bankeinzug oder die Kreditkarte, die App selber ist kostenlos. Bewegungsdaten der Nutzer werden laut BVG nicht erhoben, der auf dem Display angezeigte Fahrschein ist allerdings nur in Verbindung mit einem amtlichen Lichtbildausweis gültig.
Bei bereits bestehenden Systemen müssen Smartphonenutzer zu Beginn und am Ende der Fahrt an sogenannten »Touchpoints« ein- und auschecken, der Fahrpreis wird im Nachhinein anhand der zurückgelegten Strecke errechnet. Die Unsicherheit, was die Fahrt eigentlich kostet, sowie die ständige Ortung der Nutzer hätten viele Fahrgäste bisher abgeschreckt, mobile Bezahlsysteme zu nutzen, erklärte Henrik Falk, Finanzvorstand der BVG. »Bis 2015 wollen wir ein Prozent des Ticketumsatzes mit Handytickets erzielen.«
Die Ziele der BVG sind ambitioniert, bereits 2014 will das Unternehmen eine sechsstellige Anzahl Fahrkarten über die »Fahrinfo plus«-App verkaufen. »Wir sind überzeugt, dass wir in Zukunft den Großteil des Umsatzes über solche Vertriebskanäle machen«, prognostizierte Falk weiter. Dafür solle auch die App ständig erweitert werden, erklärt der Leiter der Unternehmenskommunikation, Dr. Martell Beck: »Wir wollen noch in diesem Quartal Echtfahrzeiten in die App integrieren, nicht nur die Regelfahrpläne. Auch aktuelle Verkehrs- und Störungsmeldungen wollen wir den Nutzern mitteilen können.« Mittelfristig soll die App zum »Mobilitätsportal« werden: Neben der jetzt schon vorhandenen Möglichkeit, auch Autos bei einem Car-Sharing-Anbieter zu nutzen, ist die Anwendung prinzipiell offen für alle Mobilitätsdienstleister wie z.B. auch Mietfahrradanbieter. Noch in diesem Jahr soll es auch möglich sein, Fahrscheine ohne Registrierung zu kaufen. Persönliche Daten und auch Zahlungsinformationen müssten dann bei jeder Transaktion neu angegeben werden. Beck: »Über die App gibt es keinen ganz anonymen Fahrscheinkauf.«
-
Exot unter SchlauphonernStephan Fischer über Netze und ihre Tücken im Nahverkehr
-
Mächtige Spionage-Software für iPhones entdecktLaut Experten »die bisher ausgeklügeltste Attacke« / Programm wurde auch gegen Menschenrechtler und Journalisten eingesetzt
-
Datenschützerin: Pokémon Go ist »Datensammelmaschine«Beliebtes Spiel speichert »detailliert« Geo-Daten seiner Nutzer / Macher könnten Nutzer »regelrecht lenken« / Verbraucherzentrale mahnt Spiel ab
Automaten und mit Personal besetzte Verkaufsstellen werden auch für Menschen in Zukunft weiter nötig sein: Fällt das Handy aus, weil das mobile Internet nicht funktioniert oder der Akku des Telefons leer ist, sind die Fahrgäste laut BVG »verpflichtet, anderweitig einen gültigen Fahrschein zu erwerben«.
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.